Die Geschichte der ersten Messe für moderne Kunst von Günter Herzog

1974-1983: 'Internationaler Kunstmarkt' (Köln im Wechsel mit Düsseldorf)

Im Herbst 1973 hatte der Verein progressiver deutscher Kunsthändler für die Ausrichtung einer stärker international zu besetzenden Kölner Kunstmesse die Gründung einer 'Europäischen Kunsthändler-Vereinigung' beschlossen, die schließlich am 17.12.1973 erfolgte.

Im Jahr 1974 richtete dann die 'Europäische Kunsthändler-Vereinigung' (EKV) den neuen 'Internationalen Kunstmarkt Köln' aus, und die Messe, die seit 1968 in der Kölner Kunsthalle stattgefunden hatte, wechselte nun in die Hallen 1 und 2 der Kölner Messegesellschaft, um den auf mittlerweile 80 in- und ausländische Galerien gewachsenen Teilnehmerkreis mit der notwendigen Ausstellungsfläche von rund 10.000 Quadratmetern ausstatten zu können. Den Preis der EKV erhielt 1974 Alfred H. Barr, Gründungsdirektor des New Yorker Museum of Modern Art (MoMA).

Um einander unter den schwieriger werdenden Marktbedingungen nicht weiter Konkurrenz zu machen, beschlossen die EKV und die IKI, fortan zusammen zu arbeiten und richteten den 'Internationalen Kunstmarkt Köln 1975' gemeinsam aus, der nun das gesamten Erdgeschoss der Rheinhallen (Halle 1-3) belegte. Herausragend im Jahr 1975 war das von Elisabeth Jappe kuratierte Rahmenprogramm der Messe: Jérôme Savary und sein Pariser 'Grand Magic Circus' bespielten die gesamte Innenstadt, das rituelle englische 'Welfare State Theatre' trat auf, Friedrich Gulda gab zwei Konzerte. Preisträger dieses Jahres war Arnold Bode, der Begründer der documenta. Am 9. September 1975 versammelten sich die deutschen Mitglieder der EKV und die Mitglieder der IKI zur Gründung des 'Bundesverbandes Deutscher Galerien BVDG'.

Der nächste Kunstmarkt fand 1976, im Gründungsjahr der Pariser FIAC, als Konzession an die Mitglieder der IKI in Düsseldorf statt, und bis zum Jahr 1983 sollten nun Köln und Düsseldorf als Standort des 'Internationalen Kunstmarkts' alternieren. Den Preis der EKV und des BVDG erhielt 1976 Jahr Paul Wember, Direktor des für sein fortschrittliches Programm gerühmten Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld, und Elisabeth Jappe hatte mit "Kunst live" ein internationales Theater- und Aktionsprogramm mit Mauricio Kagel, The Mabou Mines aus New York, dem ungarischen Squat Theatre und vielen weiteren Aktivitäten verwirklicht.

Das Jahr 1977 des 'Internationalen Kunstmarkt Köln stand im Zeichen der Frauenbewegung. Die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst zeigte die Ausstellung "Künstlerinnen - International 1877-1977, der BVDG veranstaltete ein Performance-Festival, das den Umfang der Performance-Sektion der documenta 6 von 1977 bei weitem übertraf. Preisträger dieses Jahres war Knud W. Jensen, Begründer des Museums Louisiana im dänischen Humlebæk. Die Messe war in diesem Jahr in mehrfacher Hinsicht nicht zufrieden stellend. Die Besucherzahl war rückläufig, die Kritiker beklagten eine gewisse Auszehrung und fehlende Innovation, die Aussteller die hohen Kosten angesichts bescheidener Umsätze. Die Messe hatte ihre erste Krise, und man erwog, sie im nächsten Jahr ausfallen zu lassen.

Im Jahr 1978 löste Bogislav von Wentzel im BVDG-Vorsitz Alexander von Berswordt-Wallrabe ab und beschloss, die Kunstmesse 1978 in Düsseldorf mit einer drastisch reduzierten Teilnehmerzahl von nur hundert von einem BVDG-Gremium ausgewählten Galerien nun doch stattfinden zu lassen. Als weitere konzeptionelle Änderung wurde eine Sonderschau eingeführt, auf der ein Museum seine Sammlung und seine Arbeit vorstellen sollte. Den Anfang machte das Museum Abteiberg, Mönchengladbach, unter der Leitung von Johannes Cladders. Den Preis des deutschen Kunsthandels erhielt der bekannte Kunsthistoriker und zeitweilige Bürgermeister von Rom Giulio Claudio Argan. Bis 1988 sollte nun der Preis pausieren.

Auch im Jahr 1979, in dem die Messe turnusmäßig in Köln veranstaltet wurde, stellten wieder nur hundert Galerien aus. Die Umsätze hatten sich inzwischen erholt. Die Sonderschau wurde bestückt von der Stuttgarter Staatsgalerie, die ihre Neuerwerbungen für den von James Stirling entworfenen Neubau präsentierte.

Eine der wichtigsten Innovationen der Messe erfolgte im Jahr 1980, in dem Gerhard F. Reinz als Geschäftsführer des BVDG gemeinsam mit der Bonner Galeristin Philomene Magers das Förderprogramm für junge Künstler initiierte, für das er finanzielle Mittel der Düsseldorfer und Kölner Messegesellschaften, der Städte, des Landes und des Bundes akquirieren konnte. Das Programm heißt heute 'New Positions'. Mit diesem Förderprogramm erhielt die inzwischen klassisch gewordene Messe wieder einen avantgardistischen Impuls. Das Stedeleijk Van Abbemuseum Eindhoven präsentierte in Düsseldorf mit Baselitz, Lüpertz, Penck, Kiefer und Immendorf die Vorläufer der 'Neuen Wilden'. Die Ausstellerzahl stieg auf 123 Galerien, und mit ihr stiegen auch die Umsätze und Besucherzahlen.

Die 'Neuen Wilden', 1980 schon vereinzelt erschienen, bevölkerten nun viele Förderkojen der Kölner Messe im Jahr 1981, auf der Dieter Honisch in einer Sonderschau die Neuerwerbungen der Berliner Nationalgalerie präsentierte. Im folgenden Jahr 1982 stellte der Kunstmarkt in Köln in seiner Sonderschau die Arbeiten deutscher Künstler aus dem Kunstmuseum Bonn vor. Trotz stark zunehmender Besucher- und Umsatzzahlen auch des Düsseldorfer Kunstmarkts im Jahr 1983 wurde an den internationalen Reaktionen deutlich, dass es zukünftig eines fixen Standortes für die wichtigste deutsche Kunstmesse bedurfte, um im Kreis der zunehmenden Zahl europäischer Konkurrenzmessen ein unverwechselbares Profil zu gewinnen. Nach Verhandlungen mit verschiedenen deutschen Messegesellschaften entschied sich der BVDG für Köln.

1984 bis 2000: ART COLOGNE