23.–26.04.2020

#artcologne2020

Die Geschichte der ersten Messe für moderne Kunst von Günter Herzog

Eine epochale Erfindung und ihre Hintergründe

Die heutige ART COLOGNE als Messe für Klassische Moderne, Nachkriegskunst und zeitgenössische Kunst geht zurück auf den „Kunstmarkt Köln '67“, der am 15. September 1967 im Gürzenich, dem mittelalterlichen Tanz- und Kaufhaus der Stadt Köln, eröffnet wurde und den internationalen Kunstmarkt für immer verändern sollte.
Die Erfinder dieser Messe waren die Kölner Galeristen Hein Stünke und Rudolf Zwirner und ihre Idee war aus der Not geboren, denn obwohl die Kunstentwicklung und das öffentliche Kunstinteresse am Ende der unmittelbaren Nachkriegszeit in eine Phase enormer Dynamisierung aufgebrochen waren, ging es dem deutschen Kunsthandel alles andere als gut.

Marktbeherrschend war damals zunächst die französische Kunst mit Paris als Kapitale des Kunstmarktes, die bald nach der zweiten documenta, 1959, von der amerikanischen Kunst und New York als neuer globaler Kunstmetropole abgelöst wurde. Deutschland hatte mit dem Krieg seine Hauptstadt und seine ehemaligen Kunstzentren verloren. Neues Zentrum des deutschen Kunstbetriebes wurde nun das Rheinland, das sich zum industriellen Motor der deutschen und zum Knotenpunkt der westeuropäischen Wirtschaft entwickelte und Bonn als neue Hauptstadt beherbergte.

Bis heute ist Nordrhein-Westfalen mit den angrenzenden Beneluxländern Europas Region mit der höchsten Industrie-, Kapital- und Sammlerdichte geblieben, was schon zu Beginn der 1960er Jahre eine sehr gute Voraussetzung für den Kunstmarkt war. Mit ihrer Messe wollten Stünke und Zwirner ein neues Kunstzentrum zumindest 'auf Zeit' etablieren, langfristig wollten sie die neue nationale Kunstproduktion, also die jungen deutschen Künstler, fördern und international platzieren und für diese ein neues Sammlerpublikum interessieren.
Das alles ist ihnen, wie man heute weiß, in einem Maße gelungen, wie sie selbst es damals kaum für möglich gehalten hätten und ihre Erfindung hat Geschichte gemacht. Die Geschichte der ART COLOGNE war nicht nur prägend für wesentliche Entwicklungen in der Geschichte des internationalen Kunsthandels, sondern auch in der internationalen Kunstgeschichte schlechthin.

1967-1969: 'Kunstmarkt Köln'

Um städtische Förderung für den ersten Kunstmarkt Köln zu erlangen, musste ein Verein gegründet werden. So gründeten Stünke und Zwirner gemeinsam mit sechzehn weiteren Galeristen den 'Verein progressiver deutscher Kunsthändler'.
Gegen das Abtreten der Eintrittsgelder an die Stadtkasse überließ der damalige Kulturdezernent Kurt Hackenberg dem Verein den Kölner Gürzenich. Dort im Foyer und im Festsaal fand vom 13. bis 17. September 1967 der ‚Kunstmarkt Köln `67’ statt. Die teilnehmenden Galerien waren: Galerie Aenne Abels, Köln; Galerie Appel & Fertsch, Frankfurt; Galerie Block, Berlin; Galerie Brusberg, Hannover; Galerie Gunar, Düsseldorf; Galerie Müller, Stuttgart; Galerie Neuendorf, Hamburg; Galerie Niepel, Düsseldorf; op-art Galerie Mayer, Esslingen; Galerie Ricke, Kassel; Galerie Schmela, Düsseldorf; Galerie Springer, Berlin; Galerie Stangl, München; Galerie Thomas, München; Galerie Tobies & Silex, Köln; Galerie van de Loo, München.

Bei Preisen zwischen 20 DM für Grafik und 60.000 DM für Spitzenwerke wurde in nur fünf Tagen der damals sensationelle Rekordumsatz von rund einer Million DM erzielt. Die Sensation wird heute allerdings erst wieder verständlich, wenn man weiss, dass 1967 ein fabrikneuer VW-Käfer 5.150 DM kostete und damit rund dreimal so viel, wie ein repräsentatives Ölbild von Gerhard Richter. Auf dem 'Kunstmarkt Köln' des Jahres 1969 brachen ein deutscher Galerist und ein deutscher Künstler einen weiteren Rekord. René Block verkaufte Joseph Beuys' später als "Das Rudel" bekannt gewordene Arbeit zum Preis von 110.000 DM. Damit hatte Beuys als erster deutscher Künstler die Hunderttausendermarke gerissen.

1970-1973: 'Kölner Kunstmarkt'

Der Erfolg des 'Kunstmarkt Köln' führte schnell zur Gründung von kritischen Begleit-, Gegen- und Konkurrenzveranstaltungen. Als erste Konkurrenzmesse entstand bereits im Jahr 1968 die Düsseldorfer 'Prospect '68', aber die bis heute folgenreichste Reaktion war die Gründung der 'Art Basel' im Jahr 1970.

Im selben Jahr brachte auch in Köln der Verein zur Ausrichtung der 'Internationalen Kunst- und Informationsmesse' (IKI) eine Konkurrenzveranstaltung zum 'Kunstmarkt Köln' auf den Weg, der nun in 'Kölner Kunstmarkt' umbenannt wurde. Träger des Kunstmarkts blieb bis 1973 der 'Verein progressiver deutscher Kunsthändler'. 1972 zog die IKI nach Düsseldorf und machte ihrer Kölner Schwester einige Probleme, um dann 1973, im Jahr der ersten Ölkrise, die sich auch auf den Kunstmarkt auswirkte, selbst in Schwierigkeiten zu geraten.

Für den Kunstmarkt 1973 hatte der Verein progressiver deutscher Kunsthändler bereits 39 in- und ausländische Galerien zugelassen. Im selben Jahr stiftete der Verein auch einen Preis, mit dem von nun an alljährlich eine Persönlichkeit ausgezeichnet werden soll, die sich um die Förderung zeitgenössischer Kunst verdient gemacht hat". Erster Preisträger war Willem J. H. B. Sandberg, ehemaliger Direktor des Stedeleijk Museum, Amsterdam. Dieser Preis war der Vorläufer des heutigen ART COLOGNE - Preises.

1974-1983: 'Internationaler Kunstmarkt' (Köln im Wechsel mit Düsseldorf)

Im Herbst 1973 hatte der Verein progressiver deutscher Kunsthändler für die Ausrichtung einer stärker international zu besetzenden Kölner Kunstmesse die Gründung einer 'Europäischen Kunsthändler-Vereinigung' beschlossen, die schließlich am 17.12.1973 erfolgte.

Im Jahr 1974 richtete dann die 'Europäische Kunsthändler-Vereinigung' (EKV) den neuen 'Internationalen Kunstmarkt Köln' aus, und die Messe, die seit 1968 in der Kölner Kunsthalle stattgefunden hatte, wechselte nun in die Hallen 1 und 2 der Kölner Messegesellschaft, um den auf mittlerweile 80 in- und ausländische Galerien gewachsenen Teilnehmerkreis mit der notwendigen Ausstellungsfläche von rund 10.000 Quadratmetern ausstatten zu können. Den Preis der EKV erhielt 1974 Alfred H. Barr, Gründungsdirektor des New Yorker Museum of Modern Art (MoMA).

Um einander unter den schwieriger werdenden Marktbedingungen nicht weiter Konkurrenz zu machen, beschlossen die EKV und die IKI, fortan zusammen zu arbeiten und richteten den 'Internationalen Kunstmarkt Köln 1975' gemeinsam aus, der nun das gesamten Erdgeschoss der Rheinhallen (Halle 1-3) belegte. Herausragend im Jahr 1975 war das von Elisabeth Jappe kuratierte Rahmenprogramm der Messe: Jérôme Savary und sein Pariser 'Grand Magic Circus' bespielten die gesamte Innenstadt, das rituelle englische 'Welfare State Theatre' trat auf, Friedrich Gulda gab zwei Konzerte. Preisträger dieses Jahres war Arnold Bode, der Begründer der documenta. Am 9. September 1975 versammelten sich die deutschen Mitglieder der EKV und die Mitglieder der IKI zur Gründung des 'Bundesverbandes Deutscher Galerien BVDG'.

Der nächste Kunstmarkt fand 1976, im Gründungsjahr der Pariser FIAC, als Konzession an die Mitglieder der IKI in Düsseldorf statt, und bis zum Jahr 1983 sollten nun Köln und Düsseldorf als Standort des 'Internationalen Kunstmarkts' alternieren. Den Preis der EKV und des BVDG erhielt 1976 Jahr Paul Wember, Direktor des für sein fortschrittliches Programm gerühmten Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld, und Elisabeth Jappe hatte mit "Kunst live" ein internationales Theater- und Aktionsprogramm mit Mauricio Kagel, The Mabou Mines aus New York, dem ungarischen Squat Theatre und vielen weiteren Aktivitäten verwirklicht.

Das Jahr 1977 des 'Internationalen Kunstmarkt Köln stand im Zeichen der Frauenbewegung. Die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst zeigte die Ausstellung "Künstlerinnen - International 1877-1977, der BVDG veranstaltete ein Performance-Festival, das den Umfang der Performance-Sektion der documenta 6 von 1977 bei weitem übertraf. Preisträger dieses Jahres war Knud W. Jensen, Begründer des Museums Louisiana im dänischen Humlebæk. Die Messe war in diesem Jahr in mehrfacher Hinsicht nicht zufrieden stellend. Die Besucherzahl war rückläufig, die Kritiker beklagten eine gewisse Auszehrung und fehlende Innovation, die Aussteller die hohen Kosten angesichts bescheidener Umsätze. Die Messe hatte ihre erste Krise, und man erwog, sie im nächsten Jahr ausfallen zu lassen.

Im Jahr 1978 löste Bogislav von Wentzel im BVDG-Vorsitz Alexander von Berswordt-Wallrabe ab und beschloss, die Kunstmesse 1978 in Düsseldorf mit einer drastisch reduzierten Teilnehmerzahl von nur hundert von einem BVDG-Gremium ausgewählten Galerien nun doch stattfinden zu lassen. Als weitere konzeptionelle Änderung wurde eine Sonderschau eingeführt, auf der ein Museum seine Sammlung und seine Arbeit vorstellen sollte. Den Anfang machte das Museum Abteiberg, Mönchengladbach, unter der Leitung von Johannes Cladders. Den Preis des deutschen Kunsthandels erhielt der bekannte Kunsthistoriker und zeitweilige Bürgermeister von Rom Giulio Claudio Argan. Bis 1988 sollte nun der Preis pausieren.

Auch im Jahr 1979, in dem die Messe turnusmäßig in Köln veranstaltet wurde, stellten wieder nur hundert Galerien aus. Die Umsätze hatten sich inzwischen erholt. Die Sonderschau wurde bestückt von der Stuttgarter Staatsgalerie, die ihre Neuerwerbungen für den von James Stirling entworfenen Neubau präsentierte.

Eine der wichtigsten Innovationen der Messe erfolgte im Jahr 1980, in dem Gerhard F. Reinz als Geschäftsführer des BVDG gemeinsam mit der Bonner Galeristin Philomene Magers das Förderprogramm für junge Künstler initiierte, für das er finanzielle Mittel der Düsseldorfer und Kölner Messegesellschaften, der Städte, des Landes und des Bundes akquirieren konnte. Das Programm heißt heute 'New Positions'. Mit diesem Förderprogramm erhielt die inzwischen klassisch gewordene Messe wieder einen avantgardistischen Impuls. Das Stedeleijk Van Abbemuseum Eindhoven präsentierte in Düsseldorf mit Baselitz, Lüpertz, Penck, Kiefer und Immendorf die Vorläufer der 'Neuen Wilden'. Die Ausstellerzahl stieg auf 123 Galerien, und mit ihr stiegen auch die Umsätze und Besucherzahlen.

Die 'Neuen Wilden', 1980 schon vereinzelt erschienen, bevölkerten nun viele Förderkojen der Kölner Messe im Jahr 1981, auf der Dieter Honisch in einer Sonderschau die Neuerwerbungen der Berliner Nationalgalerie präsentierte. Im folgenden Jahr 1982 stellte der Kunstmarkt in Köln in seiner Sonderschau die Arbeiten deutscher Künstler aus dem Kunstmuseum Bonn vor. Trotz stark zunehmender Besucher- und Umsatzzahlen auch des Düsseldorfer Kunstmarkts im Jahr 1983 wurde an den internationalen Reaktionen deutlich, dass es zukünftig eines fixen Standortes für die wichtigste deutsche Kunstmesse bedurfte, um im Kreis der zunehmenden Zahl europäischer Konkurrenzmessen ein unverwechselbares Profil zu gewinnen. Nach Verhandlungen mit verschiedenen deutschen Messegesellschaften entschied sich der BVDG für Köln.

1984 bis 2000: ART COLOGNE

Unter seinem neuen Vorsitzenden Gerhard F. Reinz veranstaltete der BVDG in der Nachfolge des Vereins progressiver deutscher Kunsthändler im November 1984 den 18. Kunstmarkt in Köln mit nunmehr 160 Galerien aus zehn Ländern unter dem neuen Namen ART COLOGNE. Rudolf Zwirner kuratierte eine viel beachtete Sonderschau der aktuellen 'Kunstszene New York' und das Kunstmuseum Bern präsentierte Teile seiner Sammlung. Mit 50.000 Besuchern wurde die ART COLOGNE zur international erfolgreichsten Kunstmesse des Jahres und zum Focus des rheinischen Kunstbooms, in dessen Verlauf Köln zu einer Metropole des globalen Kunsthandels wurde.

Geradezu euphorisch reagierte die Pressekritik auf die ART COLOGNE des Jahres 1985, die "als vielleicht schönste Messe" bezeichnet und in Analogie zur documenta als 'Museum der 100 Tage' als "Museum der 7 Tage" bezeichnet wurde. Rund 55.000 Besucher sahen die Kojen der 165 Aussteller, zu denen erstmals auch der Staatliche Kunsthandel der DDR zählte, und die von Klaus Honnef kuratierte erste Sonderschau, die sich unter dem Titel "Der Schein des Objektiven" der Fotografie widmete. Die nun erreichte hohe Qualität der Messe wurde im folgenden Jahr 1986 bestätigt, das mit der Sonderschau "Focus" einen Überblick über die kanadische Kunstszene zwischen 1960 und 1985 bot.

1987 feierte die ART COLOGNE auf dem Höhepunkt des rheinischen Kunstbooms ihren zwanzigsten Geburtstag. Sie galt nun international als wichtigster Markt der Gegenwartskunst. In einer Sonderschau präsentierte das Berliner Kupferstichkabinetts 'Grafik des 20. Jahrhunderts' und verhalf damit dem Marktsegment der Grafik zu einem Revival. Erstmals wurde der von Marianne und Hansfried Defet (da Vinci Künstlerpinselfabrik, Nürnberg) gestiftete Künstlerpreis auf der ART COLOGNE verliehen, Preisträger war Rainer Barzen.

1988 legten die KölnMesse und der BVDG den 1973 vom Verein progressiver deutscher Kunsthändler begründeten und ab 1979 nicht mehr verliehenen Kunstpreis wieder auf, der nun ART COLOGNE-Preis heißen sollte. Erste Preisträgerin war Ileana Sonnabend, deren Wirken in einer grandiosen Sonderschau präsentiert wurde. Der Defet-Preis ging in diesem Jahr an den Bildhauer Yuji Takeoka. Ebenfalls im Jahr 1988 führen der BVDG und die KölnMesse die 'Benefiz-Eröffnung' der ART COLOGNE ein, die im ersten Jahr einen Betrag von 120.000 DM erbrachte, welcher dem Museum Ludwig für den Ankauf von Kunst zur Verfügung gestellt wurde.

War bisher die Zahl der ausstellenden Galerien auf 165 beschränkt, so hatte man 1989, im Jahr des Mauerfalls, insgesamt 189 Galerien zugelassen. Die gestiegene Ausstellerzahl war zum Teil darauf zurückzuführen, dass auf Initiatve der Kölner Galeristin Monika Sprüth und ihrer Kollegen Max Hetzler und Jörg Johnen das "Sonderprogramm junge Galerien" verwirklicht wurde, das 31 neuen Galerien mit junger, aktueller Kunst eine preiswerte Teilnahme ermöglichte und erheblich zur Verjüngung des Angebotes beitrug. Als Sonderschau präsentierte das Wilhelm-Lehmbruck-Museum Duisburg seine Bestände mit Ausstellungsarchitektur von Erwin Heerich, in einer weiteren Sonderschau feierten acht Fotogalerien den 150. Geburtstag der Fotografie, die sich immer mehr zu einer wichtigen neuen Sparte des Kunsthandels ausdifferenzierte. Der diesjährige ART COLOGNE Preis ging an den Ausstellungskurator Harald Szeemann. Die Benefizeröffnung war dem Ankauf von Sigmar Polkes mit dem Goldenen Löwen ausgezeichneten Venezianer Biennalezyklus für das Museum Abteiberg in Mönchengladbach gewidmet.

Im Jahr 1990, machte die ART COLOGNE einen großen räumlichen Wachstumssprung: bis 1989 war die Messe im Erdgeschoß und Teilen des Obergeschosses der Rheinhallen (1-3) angesiedelt, in diesem Jahr wurde der Ausstellungsraum um die zu den Hallen 1-3 quer gelagerte Halle 5 erweitert und die Anzahl der ausstellenden Galerien auf 268 erhöht. Die Sonderschau im Jahr der Wiedervereinigung war dem Dresdener Kupferstichkabinett gewidmet, das unter dem Titel "Verdecktes Sammeln" seine Arbeit in den schwierigen Zeiten der DDR veranschaulichte. Die bei der Benefiz-Eröffnung zusammen gekommenen 205.000 Euro erhielten die Dresdener Kunstsammlungen zum weiteren Ausbau ihrer Bestände. Der diesjährige ART COLOGNE Preis ging an Katharina Schmidt, Direktorin des Städtischen Kunstmuseums Bonn.

Das Jahr der Weltwirtschaftskrise, 1991, die Japan am schlimmsten getroffen hatte, hat die ART COLOGNE gut überstanden. Für Hein Stünke, den diesjährigen ART COLOGNE-Preisträger, feierte die Messe ein Jubiläum, denn vor fünfundzwanzig Jahren hatte Stünke seine "Vorschläge zu einer KÖLNER MESSE MODERNER KUNST" erstmals zu Papier gebracht. Aus Dankbarkeit für den ART COLOGNE-Preis stiftete Hein Stünke dem BVDG das Archiv seiner Galerie. Der BVDG wiederum hat auf seiner Mitgliederversammlung am ersten Tag der ART COLOGNE, dem 14. November 1991 auf Vorschlag und unter dem Vorstandsvorsitz von Gerhard F. Reinz beschlossen, das Zentralarchiv des Internationalen Kunsthandels ZADIK zu gründen. In der Sonderschau "Positionen" gab die Messe einen Überblick über das bisherige Programm der Förderkojen. Die Benefiz-Gala erbrachte einen Erlös von 200.000 DM, die der Stadt Gotha für ihr Skulpturenprojekt auf Schloss Friedenstein übergeben wurden.

Im Jahr 1992 veranstalteten die Kölner Galeristin Tanja Grunert und ihre Kollegen Christian Nagel und Michael Jansen sowie die Künstlerin Heike Kempken gleichzeitig zur ART COLOGNE die ausschließlich jungen Galerien vorbehaltene Gegenmesse "Unfair", die sich auf die Messekonzeption der folgenden Jahre auswirken sollte. ART COLOGNE-Preisträgerin des Jahres war die Pariser Galeristin Denise René, und in der Sonderschau stellte die Stadt Gotha ihr Skulpturenprojekt vor. In einer großen Benefiz-Aktion stifteten die Galerien des BVDG dem Busch-Reisinger Museum 150 Original-Arbeiten auf Papier aus den Jahren 1945 – 1975. Eine geradezu spektakuläre Sonderschau bot die ART COLOGNE im Jahr 1993 ihren nunmehr 70.000 Besuchern mit den Young British Artists der Londoner Sammlung Saatchi, auf der Damien Hirsts "The Physical Impossibility of Death (Shark)" gezeigt wurde. Auch die ART COLOGNE-Preisträgerin kam aus London: die Galeristin Annely Juda. Nach den 283 Teilnehmern des Jahres 1993 wurde im Jahr 1994 mit 323 Galerien ein neuer Ausstellerrekord aufgestellt. Er verdankte sich jedoch nicht zuletzt dem Einschluß der jungen internationalen 'Unfair'-Galeristen in die ART COLOGNE, deren Preisträgerin in diesem Jahr die Madrilener Kuratorin und Museumsleiterin Maria de Corral war.

Europas größte Kunstmesse machte im Jahr 1995 ihrem Namen in jeder Hinsicht alle Ehre. Die ART COLOGNE 1995 war eine Supermesse in Bezug auf die Messedauer, die Aussteller und die Besucherzahlen. Hatte sie bisher zwischen fünf und acht Tagen gedauerte, so lief sie in diesem Jahr neun Tage lang, denn da der Buß- und Bettag als Feiertag abgeschafft war, hatte man den Verlust des arbeitsfreien Tages durch den Einschluss eines zweiten arbeitsfreien Wochenendes zu kompensieren versucht. Obwohl bereits 110 Bewerber um die höchst begehrte Messeteilnahme abgelehnt worden waren, wurde die ART COLOGNE immer noch von 349 Galerien bestückt, und 81.000 Besucher konnten 27.000 Kunstwerke auf 42.000 Quadratmetern sehen. Preisträger dieses Jahres war mit Rudolf Springer einer der Nestoren des deutschen Galerienwesens der Nachkriegzeit und einer der Gründungsgaleristen der ART COLOGNE als 'Kunstmarkt Köln '67'. Zunehmende Kritik an der hohen Zahl der ausstellenden Galerien und an der von vielen als zu lange empfundenen Messedauer führte im folgenden Jahr 1996 zu Konsequenzen. Die Dauer wurde auf acht Tage beschränkt, und die Zahl der Galerien auf 279. Zwei Sonderschauen waren zu sehen: Die SK Stiftung Kultur der Stadtsparkasse Köln präsentierte ihr August Sander Archiv, und in drei Räumen der Halle 5 war Robert Wilsons Installation "The Waterjug Boy" zu sehen, von der sich auch der diesjährige ART COLOGNE-Preisträger Peter Littmann, Vorstandsvorsitzender der Hugo Boss AG, beeindruckt zeigte.

Das Jahr 1997, in dem die Messe ihren dreißigsten Geburtstag feiern konnte, war von einigen einschneidenden Veränderungen geprägt. Gerhard F. Reinz hatte den Vorsitz des BVDG an Dietmar Löhrl abgegeben. Um in Zukunft den seit der Erfindung der Messe stets vorgebrachten Monopolvorwürfen zu entgehen, die es den vom BVDG nicht Zugelassenen ermöglichten, sich einzuklagen - was dem Verband erhebliche Kosten verursachte -, hatte der BVDG nun die Ausrichtung der ART COLOGNE vertraglich an die KölnMesse übertragen und fungierte fortan als nur mehr ideeller Träger. Der neue Zulassungsausschuß unter dem Vorsitz des Galeristen Karsten Greve reduzierte die Teilnehmerzahl weiter auf 243 Galerien, die ihr Angebot 71.000 Besuchern präsentieren konnten. Die Photographische Sammlung präsentierte eine Sonderschau mit Werken von Albert Renger-Patzsch, und mit der von VALIE EXPORT kuratierten Sonderschau erhielt erstmals die Kölner Kunsthochschule für Medien ein Forum auf der ART COLOGNE. Gleich zwei Preisträgerinnen wurden mit dem ART COLOGNE-Preis bedacht: Die Galeristinnen Charlotte Zander und Dina Vierny. Für einigen Wirbel hatte eine neue Konkurrenzmesse gesorgt: Zwei Wochen vor der ART COLOGNE war in Berlin das 'art forum' eröffnet worden.

Mit dem Verzicht auf Halle 5 konzentrierte sich die ART COLOGNE im Jahr 1998 auf die beiden Ebenen der Rheinhallen. Neben den bisher üblichen Förderkojen für den Künstlernachwuchs war für dieses und das kommende Jahr beschlossen worden, auch den Galeristennachwuchs zu fördern, indem man mit finanzieller Unterstützung der SK Stiftung Kultur der Stadtsparkasse Köln 23 jungen Galerien je eine 30 qm große Koje zum halben Preis überließ. In Sonderschauen gaben die Photographische Sammlung der SK Stiftung Kultur und die Kunsthochschule für Medien einen Eindruck ihrer Arbeit, und mit der Sonderschau "KölnSkulptur" wurde ein neuer Ausstellungsschwerpunkt geschaffen: 36 Galerien präsentierten verkäufliche Plastiken und Installationen. ART COLOGNE-Preisträger des Jahres war der Ehrenvorsitzende des BVDG Gerhard F. Reinz. 70.000 Besucher zählte auch die ART COLOGNE des Folgejahres 1999, die einen ersten Umsatzhöhepunkt bei stetig steigenden Umsätzen erwirtschaftete. Große Zustimmung fand das Förderprogramm für Nachwuchsgalerien der Stadtsparkasse Köln, das man fortan verstetigen wollte, ebenso wie die "KölnSkulptur", die diesmal von 28 Galerien bestückt wurde. Mit Sonderschauen waren wieder präsent die Photographische Sammlung der SK Stiftung Kultur, die fortan bis 2009 auf jeder Messe vertreten bleiben sollte, und die Kunsthochschule für Medien, die bis heute teilnimmt. Preisträger des Jahres 1999 war der Galerist Otto van de Loo, der als "Progressiver deutscher Galerist" den 'Kunstmarkt Köln '67' mit begründet hat. Das Platzen der 'dotcom-Blase' im März 2000 hat die ART COLOGNE 2000 noch nicht berührt - im Gegenteil, für manche der ausstellenden Galerien war es "die beste seit Jahren". Johannes Cladders, Direktor des Museums Abteiberg in Mönchengladbach, erhielt den ART COLOGNE-Preis. Für die Messe im neuen Jahrtausend wurden einige Reformen beschlossen: Die Messe sollte kürzer werden, und um die Zahl der Aussteller überschaubar zu halten, aber dennoch so wenige Bewerber wie möglich auszuschließen, sollte ein Rotationsmodell eingeführt werden. Regelmäßige Messeteilnehmer sollten zukünftig ihre Teilnahme einmal aussetzen müssen.

2001 bis 2004: Nur noch fünf Tage ART COLOGNE

So dauerte die ART COLOGNE im Jahr 2001, in dem die Galeristin und Sammlerin Ingvild Goetz den ART COLOGNE-Preis erhielt, nur noch fünf Tage. Mit 65.000 Besuchern war der durch die Verkürzung erfolgte Besucherschwund verhältnismäßig gering. Wegen des Terror-Attentats auf das World Trade Center am 11.9.2001 blieben allerdings noch mehr amerikanische Sammler aus, als bereits durch die zeitgleich stattfindenden Auktionen zurückgehalten wurden, die sich nun - wie auch in Europa - nicht mehr nur der alten, sondern auch der zeitgenössischen Kunst widmeten und den Kunstmessen eine neue Konkurrenz boten. Die Angst vor Terror und Krieg, die Auswirkungen der europäischen Währungsumstellung auf den Euro, zahlreiche Firmenpleiten und die nun auch in Europa spürbaren Auswirkungen der Folge der dotcom-Krise schlugen auf der ART COLOGNE 2002 ebenso auf die Stimmung wie eine zunehmende Kritik am Erscheinungsbild und verschiedenen Rahmenbedingungen der Messe, die im Zuge der zunehmenden Globalisierung des Messemarktes ihr Profil schärfen und sich auf ihre Stärken (rück-) besinnen sollte. Mit breiteren Gängen, neuem Fußbodenbelag, neuer Beleuchtung und einer behutsamen Reform der Hallenplatzierung erfolgten erste Schritte, die den Beifall der 258 Galerien und 65.000 Besucher fanden. Mit dem ART COLOGNE-Preis wurde erstmals ein Sammler geehrt: Frieder Burda.

Mit der Frieze Art Fair in London erwuchs der ART COLOGNE im Jahr 2003 eine neue Konkurrenz in einer sich nunmehr auch immer stärker in Spezialmessen wie der Paris Foto (seit 1998) ausdifferenzierenden Messelandschaft. Eher als Kompliment denn als Konkurrenz sind die 'Satellitenmessen' im Gefolge einer erfolgreichen Messe aufzufassen. Eine solche entstand mit der 'art fair' im Nachbarstadtteil Mülheim. Diesen Veranstaltungen und der aktuellen Konjunkturflaute begegnete die Messe mit einigen Innovationen. Mit Gérard Goodrow erhielt die ART COLOGNE erstmals einen künstlerischen Direktor. Eine weitere Innovation war die Gründung des Vereins der 'Freunde der ART COLOGNE', eines Kreises von Mäzenen unter dem Vorsitz von Gerhard F. Reinz, der gemeinsam mit der Koelnmesse mit beträchtlichen Summen den kaum noch vorhandenen Ankaufsetat der Kölner Museen aufstocken möchte. Im Rahmenprogramm fanden sich wieder die Photographische Sammlung der SK Stiftung Kultur, die Kunsthochschule für Medien und - zum letzten Mal - die Köln Skulptur. In einer weiteren Sonderschau präsentierte sich die Stiftung Insel Hombroich. Erstmals waren die Kunstbiennale und das Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels ZADIK mit einer Sonderschau auf der Messe vertreten. Das ZADIK bot mit 'Kunstmarkt Köln 67' einen Rückblick auf die Entstehung und Entwicklung der ART COLOGNE als 'Mutter' aller Messen für moderne und zeitgenössische Kunst. Den ART COLOGNE-Preis erhielt der Kunsthistoriker, Kurator und ehemalige Direktor des Centre Pompidou Werner Spies.

Auch die ART COLOGNE 2004 - die letzte in den Rheinhallen, die fortan dem Fernsehsender RTL zur Verfügung stehen sollten - zeigte mit dem Slogan NEW ART weitere Neuerungen an. Fas Förderprogramm junger Künstler hieß nun NEW TALENTS, die Förderkojen für jungen Galerien NEW CONTEMPORARIES. Mit der von Caroline Nathusius unter dem Titel Pollenflug kuratierten Ausstellung von Werken aus den Privatsammlungen in Köln und Umgebung würdigte man das Wirken der Sammler. Weitere Sonderschauen bestückten die Sammlung Falckenberg, die Stiftung Ann und Jürgen Wilde und das Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum, die Photographische Sammlung der SK Stiftung Kultur, die Deutsche Gesellschaft für Photographie, das ZADIK, die Kunsthochschule für Medien, SOundArt Köln 2004, die KunstFilmBiennale Köln 2004, 235 Medien Köln und das Staatliche Russische Museum St. Petersburg. Für seine Sammlungspolitik mit dem ART COLOGNE-Preis ausgezeichnet wurde Nicholas Serota, der Direktor der Tate Gallery London. Neben der 'art fair 2004' entstand als weitere Parallelveranstaltung die von Claudia Neumann und Kathrin Luz organisierte rheinschau. art cologne projects, während eine Woche später mit loop 4 in Barcelona die erste Videomesse der Welt geboren werden sollte.

2005 bis 2007: Neue Hallen, neue Architektur

Im Jahr 2005 fand die ART COLOGNE in den Hallen 9 und 10 der koelnmesse statt. Die neue Architektur bot breitere Gänge, eine besser Lichtsituation und eine modernere Infrastruktur, die bei 260 Ausstellern und 72.000 Besuchern viel Lob erfuhren. Die spektakulärste Neuerung war die Einbeziehung des im Jahr zuvor von Claudia Neumann und Katrin Luz als rheinschau verwirklichten Ausstellungskonzepts in die ART COLOGNE, wo es als OPEN SPACE mit 50 Galerien, die jeweils eine One-Man-Show boten, allgemeinen Beifall fand. Herausragend unter den Sonderschauen war die von Renate Goldmann kuratierte 25 m², ein Rückblick auf das von BVDG und ART COLOGNE gegründete Förderprogramm für junge Künstler über die Jahre 1980 bis 2005, das mit Entdeckungen wie Rosemarie Trockel, Mischa Kuball, Gregor Schneider, Neo Rauch, Thomas Ruff, Olafur Eliasson, Tracy Emin und vielen anderen aufwarten konnte. ART COLOGNE-Preisträger des Jahres 2005 war René Block, Mitglied im ‚Verein progressiver deutscher Kunsthändler' und damit einer der Gründungsgaleristen der ART COLOGNE, danach Ausstellungskurator und Direktor des Museums Fridericianum in Kassel.

Mit einer reduzierten Ausstellerzahl von 190 Galerien, von denen 45 Prozent aus dem Ausland kamen, präsentierte sich die Messe im Jahr 2006 in den Hallen 4 und 5. Ein neuer Ausstellungsakzent wurde mit den HIDDEN TREASURES eingeführt. Zu den herausragenden Sonderschauen zählten die von Marc Scheps kuratierte Hommage an Jannis Kounellis mit einer Rekonstruktion seines Opus I, Nr.9, ohne Titel (Lebende Pferde) in der Galleria L'Attico, Rom, 1969 und die dem diesjährigen ART COLOGNE-Preisträger Rudolf Zwirner nicht auf der Messe, sondern in seinen ehemaligen Galerieräumen Kolumba(kirch)hof 2 in der Kölner Innenstadt vom ZADIK ausgerichtete Ausstellung 'Um '67 - Rudolf Zwirner und die frühen Jahre des Kunstmarkt Köln'. Erstmals wurde in diesem Jahr in Kooperation mit der ART COLOGNE der ADKV-Preis für Kunstvereine (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine) überreicht. Preisträger war die ACC Galerie in Weimar.

Nachdem die ART COLOGNE 40 Jahre lang im November stattgefunden hatte, erlebte sie im Jahr 2007 mit ihrer Verlegung in den April ihre wohl größte Veränderung. Das kurze Zeitfenster von knapp fünf Monaten nach der letzten Herbstmesse brachte nicht nur organisatorische Probleme, sondern war wohl auch ein wesentlicher Grund für die gesunkene Besucherzahl von 60.000, die allerdings durch die Umsatzzahlen kompensiert wurde. Dennoch mehrte sich insgesamt die kritische Einstellung einflussreicher Galerien gegenüber ART COLOGNE Direktor Goodrow, die auch zunehmend von der Presse wahrgenommen wurde. Als Filetstück feierte sie wieder den OPEN SPACE, der in diesem Jahr 40 Galerien auf 2500 qm ein Forum bot. Caroline Nathusius setze unter dem Titel Pollenflug / Austria ihre Sonderschau von 2004 mit Werken aus diesmal österreichischen Privatsammlungen fort. ART COLOGNE-Preisträger war der Galerist Erhard Klein. Einen weiteren Schatten warf bereits die für den 19.-23. September 2007 geplante Satellitenmesse, die ART COLOGNE Palma de Mallorca, voraus, die angesichts der ohnehin gespannten Situation schon im Vorfeld mit Bedenken erwartet wurde. Obwohl am Ende einige Galerien dort durchaus geschäftliche Erfolge hatten, sollte es keine Fortsetzung geben. Die ablehnende Pressresonanz lieferte den Goodrow-Kritikern weitere Munition, die sich schließlich in einer Boykottdrohung entlud und die Koelnmesse veranlasste, sich von Goodrow zu trennen.

2008 bis 2010: ART COLOGNE im Umbruch

Im Jahr 2008 schien nicht nur die ART COLOGNE, sondern die gesamte deutsche Messelandschaft im Umbruch: die dc düsseldorf contemporary setzte aus, die fine art fair frankfurt pausierte, das Art Forum Berlin wurde vom September zum Jahresende verschoben. Und die ART COLOGNE 2008 – von ihrem langjährigen Team unter Leitung von Heinz Schnock noch ohne Direktor vorbereitet – präsentierte zur Eröffnung Daniel Hug als neuen künstlerischen Leiter, der gleich nach der Messe sein Amt antreten sollte. Hug, der zuletzt eine Galerie unter seinem Namen in Los Angeles führte, war Ende der 1990er Jahre Mitglied des Auswahlkomitees der Art Chicago und kuratierte in den Jahren 2007 und 2008 die Messe Art Los Angeles Contemporary. Mit rund 150 Ausstellern aus 23 Ländern und weiteren 50 Galerien im OPEN SPACE behauptete die ART COLOGNE mit ihrem breiten Angebot von der Klassischen Moderne bis zur aktuellen Kunst ihren Spitzenplatz unter den weltweit in jedem Jahr stattfindenden 280 Kunstmessen auch in diesem Jahr. Zu den herausragenden Sonderschauen zählten die von Renate Goldmann und Young Hee Lee kuratierte 'Global EurAsia' und die Palermo-Ausstellung des ZADIK. Der ART COLOGNE-Preis wurde verliehen an Suzanne Pagé, langjährige Direktorin des Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris.

„Das Wunder vom Rhein“ titelte am 25.4.2009 die FAZ und feierte den allgemein konstatierten Erfolg der ART COLOGNE 2009 unter neuer Leitung im Jahr nach dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise, in dem die Messe gerade von ihrer klassischen Ausrichtung profitieren konnte, die Daniel Hug überzeugend platzierte. Mit dem neuen, repräsentativen Südeingang mit großer Freitreppe und Eingangshalle, bestückt mit großen Skulpturen von Bernar Venet und Stephan Balkenhol, der neuen Halle 11, einer neuen Ausstellungsarchitektur, der Reduktion der Teilnehmerzahl auf 180 und weiteren Reformen hatte Hug gleich ein Ausrufezeichen setzen können. Bewährtes hat er beibehalten: den OPEN SPACE, das Förderprogramm junger Galerien mit zeitgenössischer Kunst unter dem Titel NEW CONTEMPORARIES und die Förderkojen für den künstlerischen Nachwuchs als NEW POSITIONS. Mit Harald Falckenberg wurde der ART COLOGNE-Preis wieder an einen engagierten Sammler verliehen. Klaus Benden übernahm von Gerhard F. Reinz den Vorsitz der ‚Freunde der ART COLOGNE‘.

Hatte die ART COLOGNE die Finanzkrise bisher kaum gespürt, so sollte im Jahr 2010 der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökkul am 20. März mit seinen massiven Auswirkungen auf den transatlantischen Flugverkehr sich dadurch bemerkbar machen, dass viele Sammler aus Übersee nicht kommen konnten. Dafür hatte Hug viele Galerien zurückgeholt, die der Messe zwischenzeitlich den Rücken gekehrt hatten, und bedeutende neue akquirieren können. So nahmen dieses Jahr rund 200 Galerien aus 23 Ländern nahmen teil. Das Publikum wurde am Südeingang empfangen von zwanzig Rocking Chairs (2010) von Lilian Bourgeat, die zum Schaukeln im Freien einluden, und im Eingangsbereich von der 15 Meter langen Skulptur Collective Unconscious (2007) der chinesischen Künstlerin Yin Xiuzhen. Im Zentrum des OPEN SPACE im Obergeschoss der Halle 11 war Jeppe Heins Circus Hein ein Publikumsmagnet. In diesem Jahr wurde eine ganze Familie mit dem ART COLOGNE-Preis geehrt: Anna, Bärbel, Thomas, Sabine und Karola Grässlin.

2011 bis 2013: Eine weitere Innovation

Zu Beginn des Jahres 2011 hatte es noch einmal eine Innovation auf dem 1967 in Köln eröffneten Markt der Messen für moderne Kunst und Gegenwartskunst gegeben: Als virtuelle Messe im World Wide Web präsentierte sich vom 22. bis zum 30. Januar die VIP Art Fair, wobei VIP als Kürzel für ‚Viewing In Private‘ stand. Als die 45. ART COLOGNE angelaufen war, wusste zwar noch niemand, dass im September das Art Forum in Berlin nicht mehr stattfinden würde, doch Teilnehmer, Publikum und Presse der ART COLOGNE hatten den Wettstreit der beiden Messen in seltener Einmütigkeit schon zugunsten Kölns entschieden, wo in diesem Jahr 200 Galerien aus 22 Ländern ausstellten, darunter auch 30 aus Berlin und einige hochkarätige Rückkehrer und Neuzugänge. Die am Ende 60.000 Besucherinnen und Besucher wurden am Haupteingang, schon von weitem sichtbar, von Paul McCarthys überlebensgroßen Aluminium-Skulpturen ‚Apple Tree Boy‘ und ‚Apple Tree Girl‘ der Galerie Hauser & Wirth empfangen. Ebenso beeindruckend waren im Foyer die abenteuerlichen ‚Flugobjekte‘ Panamarenkos, dessen Karriere im Rheinland begann, wo ihn Beuys im Jahr 1968 mit seiner Skulptur ‚Flugzeug‘ in die Düsseldorfer Kunstakademie eingeladen hatte. In seiner siebten Version präsentierte sich der OPEN SPACE besonders offen und in seinem Bar-Bereich als ‚Books‘ P(a)lace‘, als eine Art Bücher-Salon. Die 43 Nachwuchsgalerien der NEW CONTEMPORARIES, die zu reduzierten Kojenpreisen teilnehmen konnten, waren diesmal im Obergeschoss zwischen den etablierten Galerien verstreut. Den zum zweiten Mal ausgeschriebenen ‚Maurice Lacroix Art Award for NEW CONTEMPORARIES erhielt die Galeria Raster aus Warschau. Die Wahl-Österreicherin Leimer erhielt den diesjährigen ‚Audi Art Award for New Positions‘. Klaus Gerrit Friese, Vorsitzender des BVDG, wies bei der Pressekonferenz auf die inzwischen 30-jährige Erfolgsgeschichte der Fördermaßnahmen hin und stellte fest, dass rund 80 Prozent der Geförderten bis heute von ihren Galerien vertreten würden. ART COLOGNE-Preisträger 2011 war der Galerist und Kunsthändler Michael Werner. Der ADKV-Preis für Kunstvereine ging in diesem Jahr nach Nürnberg. Den ADKV-Art Cologne Preis für Kunstkritik erhielt der Wiener Soziologe und Publizist Jens Kastner.

Spektakuläres Entrée zur ART COLOGNE 2012 waren He Xiangyus ‚Man on Chairs‘, eine Installation aus wuchtigen Holzstühlen, die im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft Köln-Peking ermöglicht worden war. Im Foyer hatte die Galerie Hauser & Wirth zwei je 60 m² große Teile vom Fußboden aus Dieter Roths isländischem Atelier senkrecht aufstellen lassen, die Roth zu Kunstwerken erklärt hatte. Die wichtigste Neuerung der Messe war 2012 die schon im Vorjahr angebahnte strategische Partnerschaft mit der in New York angesiedelten ‚New Art Dealers Alliance = NADA‘, einer Vereinigung von hauptsächlich amerikanischen Galerien und Non-Profit-Institutionen für „new voices in contemporary art“, die seit 2003 die in den Augen internationaler Kritiker wichtigste Nebenmesse zur Art Basel Miami ausrichtete und schon seit einiger Zeit einen europäischen Messeauftritt erwogen hatte. Daniel Hug hatte 32 NADA-Mitglieder an Stelle des nunmehr aufgegebenen OPEN SPACE platziert. Nunmehr waren die NADA-Mitglieder für den experimentell avantgardistischen Teil der Messe zuständig, den sie sich mit den NEW CONTEMPORARIES und den NEW POSITIONS aber auch mit durchaus etablierten und teurere Kunst anbietenden Galerien teilten. Mit dem ‘Maurice Lacroix Art Award for NEW CONTEMPORARIES wurde in diesem Jahr die Galerie KOW aus Berlin prämiert. Jürgen Staak, der Gewinner des diesjährigen ‚Audi Art Award for New Positions‘ hatte sogar doppeltes Glück, denn seine gesamte Koje wurde von der Ankaufskommission der Bundesrepublik Deutschland erworben. Die in ihrem gesamten Niveau als sehr gut austariert empfundene Messe konnte mit zwei schwergewichtigen neuen Ausstellern aufwarten: Thaddaeus Ropac und David Zwirner. Die Stimmung der deutschen Aussteller/innen war getrübt durch die vieldiskutierte, zur Angleichung an die EU-Norm bevorstehende Anhebung der Mehrwertsteuer für Kunst von bisher 7 auf 19 %. Mit dem ART COLOGNE-Preis wurde eine Galerie geehrt, die in der kurzen Zeit ihres Bestehens von 1966 bis 1976 mit Künstlern wie Broodthaers, Panamarenko, Beuys und vielen anderen großen Namen die Kunstgeschichte der Avantgarde mit geschrieben hat: Anny de Deckers und Bernd Lohaus‘ Antwerpener ‚Wide White Space‘.

„Untitled“ waren die beiden riesigen Farbkörper (2012) von Katharina Grosse, die in im Jahr 2013 vor dem Eingang der ART COLOGNE platziert waren und die rund 55.000 Besucher empfingen. Vor dem Eingang zu den Ausstellungsebenen präsentierte die Julia Stoschek Collection unter dem Titel ‚Das Bildermuseum brennt‘ ihre Werke der Medienkunst. Die von der Kritik durchweg gelobte Schau sollte einen Vorgeschmack auf ein neues Messeformat bieten, mit dem Daniel Hug ab 2014 ein Forum für Galerien von experimentell arbeitenden Künstlern im Bereich Video und Medienkunst zu eröffnen plante. Neu war auch die Laufzeit, mit der die Messe zur Freude von Besuchern, die aus dem Ausland anreisen und nach Synergien suchen, näher an das Berliner Gallery Weekend rückte und zugleich zwei Tage Abstand zur Art Brussels nahm, was einigen Galerien ermöglichte, an beiden Messen teilzunehmen. Zudem wurde damit die Vernissage vom weniger günstigen Dienstag auf den Mittwoch verschoben, und die Messedauer auf Wunsch der Aussteller um einen Tag verkürzt. 206 Galerien aus 25 Ländern waren zugelassen worden. Wieder mit dabei waren Mitglieder der NADA, deren Standfläche nun Raum für 40 Präsentationen bot. In diesem Jahr kam das Förderprogramm der Messe und der Stadt Köln für die NEW CONTEMPORARIES 38 Nachwuchsgalerien zu Gute, aus denen die Galerie Corbett vs. Dempsey aus Chicago für ihre Präsentation mit dem Maurice Lacroix Award ausgezeichnet wurde. Der Audi Award NEW POSITIONS ging an Zbyněk Baladrán. Die Studierenden und Absolventen der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) zeigten unter dem Titel „MY EYES HURT“ von Heike Ander zusammen gestellte Werke der Videokunst, experimentelle filmische Werke und andere zeitbasierte Medien. Das ZADIK erzählte die Erfolgsgeschichte der ‚Galerie Heiner Friedrich – München, Köln, New York‘, die auch eine frühe Karrierestation des diesjährigen ART COLOGNE-Preisträgers war, des Münchener Galeristen Fred Jahn. Im zehnten Jahr ihres Bestehens hatten die ‚Freunde der ART COLOGNE‘ rund eine Million Euro an Spendengeldern zur Verfügung, um davon auf der Messe Werke von Richard Tuttle, Walter de Maria, Tony Conrad und Dominik Lang für das Museum Ludwig, eine Zeichnung von Lovis Corinth für das Wallraf-Richartz-Museum und eine Arbeit von Ann-Kristin Hamm für das Museum Schnütgen.

Die Presse war sich einig: mit der 47. ART COLOGNE hatte die Messe „Durchgestartet“ (Annegret Erhard: Durchgestartet. Neue Zürcher Zeitung, 20.4.2013), „zurück zur alten Größe“ gefunden (Sebastian Preuss: Die Art Cologne findet zurück zur alten Größe. Die Zeit, 25.4.2013) und spielte „Wieder in der ersten Liga“ (Hanna Styrie: Wieder in der ersten Liga. Kölnische Rundschau, 23.4.2013).

2014 bis 2016: Die 50. ART COLOGNE

Vor der Treppe zum Südeingang der ART COLOGNE 2014 hatte Daniel Hug in Zusammenarbeit mit der Galerie Karsten Greve eine Stahlplastik von Joel Shapiro, ‚Elevation I und II‘ (1994), platzieren lassen, und im Foyer konnten die wiederum rund 55.000 Besucher auf ihrem Weg in die Ausstellung eine nicht kommerzielle Wall Paper-Arbeit von Ai Weiwei mit Fotos von Blumensträußen aus seiner Aktion ‚Fresh Flowers‘ durchschreiten, die gemeinsam mit dem Galeristen Alexander Ochs realisiert wurde. Seit dem 30. November 2013 hatte der Künstler jeden Tag einen Blumenstrauß in den Korb eines vor seinem Atelier abgestellten Fahrrads gelegt und wollte dies so lange fortsetzen, bis man ihm seinen Reisepass zurückgeben würde. Aus rund 800 Bewerbungen hatte der Zulassungsausschuss in diesem Jahr 221 Aussteller aus 25 Ländern ausgewählt. Auch die NADA war wieder dabei, aber nicht mit einer eigenen Ausstellungsfläche, sondern als Mitveranstalterin der neuen Sektion COLLABORATIONS. Verteilt auf die vier Ecken der oberen Hallenebene gab es Gemeinschaftsstände. Auf 19 Förderkojen waren die NEW POSITIONS verteilt. Die Künstlerinnengruppe FORT (Jenny Kropp und Alberta Niemann) erhielt den ART COLOGNE Award. Eine weitere Neuheit war die Sektion FILM COLOGNE zu deren Premiere die gut besuchte Filmbar in der Passage 3-11 ein gemeinsam mit dem Kunstsender ‚Souvenirs From Earth SFE‘ kuratiertes Programm mit 50 Arbeiten aus 50 Jahren Filmkunst von Künstlern spielte, die von ausstellenden Galerien vertreten wurden. Das Programm konnte auch im Internet und im Kabelfernsehen verfolgt werden. Dazu passte gut auch die Ausstellung mit 10 Video- und Soundinstallationen, experimentellen Filmen und intermedialen Werken der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM), die Heike Ander unter dem Titel ‚Eden Was Never So Close‘ zusammengestellt hatte. Der diesjährige ART COLOGNE Preis wurde an die Wiener Galeristin Rosemarie Schwarzwälder (Galerie nächst St. Stephan) verliehen. Barbara Buchmaier und Christine Woditschka erhielten den ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstkritik, der Preis für Kunstvereine ging nach Bielefeld. Zum ersten Mal kooperierte die ART COLOGNE mit der Düsseldorfer Quadriennale. Die Eintrittskarte zur Messe berechtigte zum ermäßigten Zugang zu den Ausstellungen der 13 Düsseldorfer Kunstinstitute während der Quadriennale – und umgekehrt. Ungeklärte Steuerfragen waren das dominierende Hintergrundgeräusch der 48. Messe, denn seit Jahresbeginn galt auf Druck der EU nicht mehr der frühere ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 % (statt 19 %), der für Gemälde und Skulpturen, jedoch nicht für Fotografie, erhoben wurde.

„483 Stunden Arbeit“ stand auf dem 4 Kubikmeter großen, schwarzen Betonkubus, mit dem der spanische Künstler Santiago Sierra Arbeit und Ausbeutung thematisierte. An diesem Kunstwerk mussten im Jahr 2015 rund 56.000 Besucher vorbei, um zu sehen, was 209 Galerien aus 23 Ländern anzubieten hatten. Auf der Vernissage hätten sie dem Künstler Hans Peter Feldmann begegnen können, der eine Papptafel mit der Aufschrift „Hell erstrahlen alle Mienen bei dem schönen Wort verdienen“ durch die luftigen Gänge der neu gegliederten Messe vor sich trug und damit seinen Rundgang zur Performance machte. Erstmals wurden alle drei Ebenen der Halle 11 ‚bespielt‘, die Ebenen 1 und 3 zwar nur zur Hälfte, aber so, dass sich eine neue Strukturierung der Abteilungen ergab: Klassische Moderne und Nachkriegskunst auf Ebene 1, zeitgenössische Kunst auf Ebene 2 und NEW CONTEMPORARIES (gefördert von der Deutschen Bank) und COLLABORATIONS auf Ebene 3. Dank der Kooperation mit dem Online-Kunstportal ‚Artsy.net‘ hatte man das Angebot der Aussteller schon vorab im Internet sehen und feststellen können, dass in diesem Jahr viele Galerien ihre Kojen nur einer oder zwei Künstlerpersönlichkeiten gewidmet hatten und es ein Revival der Kunst der 1960er Jahre gab. In ihrem zweiten Jahr war die neue Sektion FILM COLOGNE in Zusammenarbeit mit drei Institutionen erarbeitet worden, die sich für die Förderung der Filmkunst Flanderns einsetzen: ‚Flanders Art Institute‘, ‚Flanders Image‘ und ‚Argos‘. Philippe Pirotte, Rektor der Städelschule und Fabian Schöneich, Kurator am Frankfurter Portikus, hatten die im Theater- und Loungebereich der Ebene 3 vorgeführten Künstlerfilme und -videos ausgesucht. Die NEW POSITIONS boten künstlerische 21 Einzelpräsentationen, den in diesem Jahr von der Deutschen Telekom finanzierten ART COLOGNE Award erhielt Sabrina Fritsch. Im 25. Jahr ihres Bestehens zeigte die Kunsthochschule für Medien Köln, die seit 1997 in Sonderschauen auf der Messe die Arbeiten ihrer Studierenden und Albsolventen veröffentlicht, die Ausstellung ‚What Subject Can We Sensibly Discuss‘. Den 40. Jahrestag seiner Gründung feierte auf der Messe der Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler BVDG. Mit dem ART COLOGNE-Preis wurde Hans Mayer ausgezeichnet, der zu den Gründungsgaleristen des Kunstmarkt Köln `67 gehörte. Der ADKV-ART COLOGNE Preis für Kritiker ging an Stefan Kobel, der Preis für Kunstvereine an den Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen nach Düsseldorf.

Die 50. ART COLOGNE

2016 konnte die 50. ART COLOGNE präsentiert und ihre bewegte Geschichte mit einer Ausstellung und einer 400 Seiten starken und opulent bebilderten Publikation des ZADIK mit dem Verlag Walther König nacherlebt werden. Zur Feier des Tages eröffnete Oberbürgermeisterin Reker die Pressekonferenz. Vom 14.-17.4. zeigten 218 Galerien und Kunsthandlungen aus 24 Ländern rund 60.000 Besucherinnen und Besuchern ihre Werke, unter denen sich in diesem Jahr auffallend viele Plastiken und Installationen und Werke im Millionenbereich befanden, auf den drei Ebenen der Halle 11. Oben stellten sich 29 Galerien bei den NEW CONTEMPORARIES und 41 bei den COLLABORATIONS vor. Für das Jubiläum kuratierten Ellen de Bruine und Stella Lohaus im Eingang Süd die Sonderschau „Eins, zwei, Wechselschritt – 50 years of ART COLOGNE and the avant-garde in Contemporary Art in Belgium, Germany and the Netherlands‘, in welcher Werke von Joseph Beuys, Marcel Broodthaers, Panamarenko, Georg Baselitz, Rosemarie Trockel, Marlène Dumas und Peter Buggenhout die wechselseitigen künstlerischen Einflüsse zwischen Deutschland, Belgien und den Niederlanden thematisierten. Ebenso passend zum Jubiläum bot die 2014 eingeführte neue Sektion FILM COLOGNE unter dem Titel „Rhine Scope“ einen Rückblick auf fünf Jahrzehnte Filmkunst. Mit Raimund Thomas als ART COLOGNE-Preisträger ehrten die Messe und der BVDG ein Mitglied des „Vereins progressiver deutscher Kunsthändler“ und damit einen der Gründungsgaleristen des ‚Kunstmarkt Köln `67‘, aus dem 1984 die ART COLOGNE hervorging. Der ADKV ART COLOGNE-Preis für Kunstvereine ging an Arnsberg und den Harburger Bahnhof, den ADKV ART COLOGNE-Preis für Kunstkritik erhielt Jörg Scheller. Der ART COLOGNE AWARD für NEW POSITIONS ging an Gerrit Frohne-Brinkmann. Der erstmals vom Kunstmagazin „art“ verliehene Kuratorenpreis für die beste Ausstellung des Jahres 2015 ging an Susanne Pfeffer für die Ausstellung „inhuman“ im Kasseler Fridericianum. Für Diskussionen sorgten die Privatführung des australischen Künstlers Stuart Ringholt, deren Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Messe (vor der offiziellen Öffnungszeit gänzlich unbekleidet erkundeten, die Folgen der geplanten Novelle zum Kulturgutschutzgesetz und die für das Jahr 2017 durch ungünstig gelegene Osterferien in NRW drohende Kollision der ART COLOGNE mit dem Berliner Gallery Weekend. Für Heinz Schnock, der für die Koelnmesse die ART COLOGNE seit 1977 als Projektleiter betreut hatte, war es die letzte vor seinem Ruhestand, ihm folgt nun Benjamin Agert

2017 bis 2018: Erstmalige Teilnahme der Galerie Gagosian

Zur Vernissage am 26.4. empfing die Besucher der 51. ART COLOGNE 2017 in der großen Eingangshalle Süd mit der 350 qm großen Installation ‚L‘ von Michael Riedel keine bereits historische, sondern die erste der zeitgenössischen künstlerischen Positionen, die von nun an diesen Raum prägen sollen. Auch sonst konnte die Messe mit einem neuen Erscheinungsbild aufwarten, entworfen von der Agentur BOROS, das auf Anhieb breite Anerkennung fand. Nicht nur die Presse feierte die erstmalige Teilnahme der Galerie Gagosian (mit der Rauminstallation ‚Buddha’s Fingers‘ von Chris Burden), die nun die Spitze der auf der Messe vertretenen globalen Supergalerien anführte. 2000 Künstler aus 200 Galerien aus 28 Ländern hatte die Messe zu bieten, wiederum verteilt auf drei Ebenen. Im neuen Sektor NEUMARKT auf Ebene drei (für Galerien die maximal 10 Jahre bestehen), mit dem die Förderung junger Kunst noch weiter ausgebaut werden sollte, waren die bisherigen Plattformen NEW CONTEMPORARIES und COLLABORATIONS zusammengefasst. Gesprächsstoff auf der Messe waren ihre um den Sonntag verkürzte Dauer – eine Konzession an das Berliner Gallery Weekend, die vielleicht auch zur geringeren Besucherzahl (52.000) geführt hatte, der Anteilserwerb der Schweizer Messegesellschaft MCH (Art Basel) an der Art Düsseldorf, die schon für den kommenden September angekündigte Kooperation der ART COLOGNE mit der 2008 gegründeten ‚art berlin contemporary (abc)‘ und die sich zunehmend manifestierenden Wettbewerbsnachteile, die dem deutschen Kunstmarkt und seinen Teilnehmenden durch die politischen Entscheidungen zur Mehrwertsteuer, zum Folgerecht und zum Kulturgutschutz entstanden sind. Den ART COLOGNE Award for NEW POSITIONS gewann der Hamburger Künstler Paul Spengemann, den ADKV-ART COLOGNE-Preis für Kunstvereine erhielt der Hartware MedienKunstVerein Dortmund, und der diesjährige ART COLOGNE-Preis ging an Günter Herzog (ZADIK).

Die neue 100 Meter lange und 40 Meter breite, schwarz ausgelegte Plaza, um die sich die internationalen Großgalerien gruppierten, „versinnbildlicht“, so Uta M. Reindl, „das Selbstbewusstsein der nunmehr 52. ART COLOGNE“ 2018. Doch zuerst durften die rund 55.000 Besucherinnen und Besucher in der Eingangshalle die „Speed“, „Hype“, „Cash“, „Mega“ und anderes kreischenden, zur Auslegeware gewebten Comicfiguren von Zuzanna Czebatuls ‚Higher Than The Sun‘ durchschreiten, um zu den 210 Galerien aus 33 Ländern und ihren Kunstwerken zu Preisen zwischen 120 und 3,6 Millionen Euro vorzudringen. Es war Daniel Hugs 10. ART COLOGNE, und Marcus Woeller von der ‚Welt‘ war sich mit vielen seiner Kolleginnen und Kollegen einig: „Das Rheinland ist wieder Mittelpunkt der deutschen Kunstwelt, und die Art Cologne sonnt sich im Glanz zurückgewonnener Stärke“. Wiederum waren die Galerien über die drei Ebenen der Halle 11 erteilt. In diesem Jahr gab es keinen gedruckten Katalog mehr, stattdessen ein über die Messe und die Kunststadt Köln informierendes Printmagazin – die Kataloginformationen waren online abrufbar. Radek Krolczyk erhielt den ADKV-ART COLOGNE-Preis für Kunstkritik, die 2009 in Köln gegründete ‚Temporary Gallery‘ den ADKV-ART COLOGNE-Preis für Kunstvereine. Der ART COLOGNE AWARD for NEW POSITIONS ging an die zypriotische Künstlerin Lito Kattou. Mit dem ART COLOGNE-Preis 2018 wurde die Medienkunstsammlerin Julia Stoschek ausgezeichnet