11.–14.04.2019

#artcologne2019

Arnulf Rainer - Übermalungen / Face Farces und Body Poses / Fingermalerei

Arnulf Rainer - Übermalungen / Face Farces und Body Poses / Fingermalerei

ÜBERMALUNGEN
Die schwachen Stellen eines Bildes zu vertuschen, eine nach der anderen so lange zu verdecken, bis ich nichts mehr sehe hat mich zu den Übermalungen gebracht. Aus Liebe und Vervollkommnungsdrang. Ich wollte noch schönere Kunstwerke daraus machen, alles andere sind Gerüchte.
(Arnulf Rainer, Selbstbemerkungen, 1971)
Rainers anfängliche Übermalungen sind formatfüllend. Das Blatt oder die Leinwand wird solange übermalt bis nur noch eine kleine freie Stelle übrigbleibt. Es geht ihm dabei um die Verhältnisse von Farbe und Bildformat und um die Spannung zwischen Bildrand, Malgrund und der Begrenzung des Zustrichs. Er selbst sei es, der unter den Übermalungen schlafe, bemerkt Rainer in einem Interview 1975. Die Zumalungen sind keine Abstraktionen sondern seine eigene psychische und physische Verhüllung.
Der Farbauftrag erfolgt sehr langsam und ungleichmäßig. Das Ergebnis ist kein glattes Bild. Als Betrachter ist man versucht die Pinselstriche mit dem Auge nachzuvollziehen, um einen Hinweis auf das Darunterliegende zu erhalten. Das Verborgene veranlasst zu einem besonders intensiven Schauen und Hineindenken. Gerade diese nur fast vollständige Zumalung regt das Unterbewusstsein an.
Die schwarze Fläche ist in ihrer Oberflächenstruktur nicht einheitlich, sondern zeigt den abgelaufenen Arbeitsprozess. Nach einer raschen Abdeckung des bestehenden Bildes beginnt der Prozess des Übermalens, der sich infolge immer mehr verlangsamt, bis es im Idealfall zu einem Stillstand - einer für den Augenblick geltenden Vervollkommnung - kommt. In den einzelnen Übermalungsschritten variiert er die Malweise. Unterschiedliche Farbkonsistenz, sehr trockene oder fließende Farbe und Pinselstriche in verschiedenen Richtungen, Stärken und Intensitäten verdeutlichen den Arbeitsprozess.
Ab 1961 verändert sich die Art der Zumalung, sie lockert sich auf, Rainer lässt Bewegung und Farbigkeit zu. Das Darunterliegende wird zu einer Voraussetzung für die Form der Überdeckung. Es geht ihm nicht mehr allein um die Zumalung, sondern es entsteht jetzt ein intensives Verhältnis zur verdeckten Vorlage. Die Ränder sind gefranst und bewegt. Das was darunter liegt regt ihn an. Es kommt zu einem Dialog mit dem Vorhandenen.
Die Übermalung ist das künstlerische Instrument Rainers. Er entwickelt sie in den 50er Jahren und macht sie zum Prinzip seiner Arbeit bis heute.


FACE FARCES UND BODY POSES
Aufgrund filmischer Aufzeichnungen während seiner Arbeit kommt Rainer auf die Idee seine Nervenanspannungen und Gesichtsverwandlungen beim intensiven Zeichnen als eine eigene Werkgruppe entstehen zu lassen.
"Wenn ich zeichne bin ich aufgeregt, spreche mit mir selbst, verziehe mein Gesicht, beschimpfe Leute, bewege und verwandle mich permanent als Leib, Charakter und Person. Diese Nebenerscheinungen bei der Bildnerei wollte ich verselbständigen. ..." Arnulf Rainer, Face Farces 1971
In der Fotoautomatenkabine am Wiener Westbahnhof beginnt er 1968 mit den ersten grimassierenden Selbstporträts in Postkartengröße. Allerdings entspricht der Ausdruck in den Fotos nicht seiner Anspannung und Emotion, die er vermitteln will. Um eine bessere Akzentuierung zu erlangen, korrigiert Rainer die Fotos mit einem Stift. Anfangs eher zurückhaltend, setzt er nur bestimmte für ihn wichtige Akzente. Je intensiver er mit seinen Fotos arbeitet, je mehr er sich in Selbstgespräche vertieft - Dialoge mit sich selbst -, umso größere Verwandlungen geschehen mit seinem Abbild. Rainer erweitert seine eigene Person. Er agiert als Schausteller mittels Mimik und theatralischen Körperposen für die Aufnahmen. In einem zweiten Schritt intensiviert er den Ausdruck der Fotographie durch graphische und malerische Mittel. Malerei als Selbstreproduktion und imaginäre Selbstgestaltung.
Die Arbeitsphasen sind relativ kurz. Sein Spiegelbild stimuliert Rainer zu einer extrovertierten Selbstkommunikation, danach erfolgen die Fotoaufnahmen, meist von einem vertrauten Fotografen ausgeführt. Der nächste Schritt ist die Auswahl aus hunderten in kürzesten Abständen festgehaltenen und auf Fotos gebannten Momenten. Nach einer Beruhigungsphase, erfolgt Wochen später eine zweite Selektion und erste Korrekturen entstehen aus Ärger über das Ungenügen der Fotografie seine ekstatischen Momente einzufangen.
Das Prinzip der Überlagerung durch Doppelbildlichkeit erweitert Rainer jetzt durch eine Medienüberschneidung und eine Überschneidung von zwei Ausdrucksformen. Er verbindet darstellende Kunst mit bildender Kunst und Fotografie mit Malerei. Die Sprache des Gesichts, die Selbstdarstellung, wird plötzlich als Kunst verstanden d.h. die Trennung zwischen Kunst und Leben wird dadurch aufgehoben.


FINGERMALEREI
Fingermalerei / chaotische Malerei

Die ersten Fingermalereien entstanden 1973. Bei der sehr intensiven Arbeit an einer großen Face Farce zerbrach Rainer der Pinsel. Um den Rhythmus und die Konzentration nicht zu verlieren, malte er mit den Fingern weiter. Der unmittelbare und schnelle Zugriff und die damit verbundene direkte Umsetzung seiner Emotionen faszinierten ihn.
Die ersten Arbeiten aus den 70er Jahren sind reduziert und aggressiv. Oft bedecken nur ein oder zwei Handschläge den Malgrund. Diese meistens in roter Farbe, für den Fall, dass die Hand zu bluten beginnt. Später werden die Arbeiten wesentlich komplexer und chaotischer. Die Fertigstellung erstreckt sich über Jahre. Auch hier malt er immer wieder nach einer langen Pause neue Farben und Gesten darüber.
Rainer arbeitet sehr rasch und impulsiv. Obsessiv klatschen, wischen und schlagen seine Hände auf den Malgrund. Die Bilder, die auf diese Weise entstehen, sind unendlich wandelbar. In den Arbeiten der 80er Jahre ist es weniger der aggressive Schlag, sondern die Spur der Finger welche sie in der noch feuchten Farbe hinterlassen. Eine Vielfalt an Farben und Formen findet sich zu einem komplexen Gefüge zusammen. Immer mehr entwickelt Rainer diese Technik zu einer sehr subtilen und feinen Bildsprache. Ähnlich den Übermalungen werden die Bilder in weiterer Folge vieldeutiger, geheimnisvoller und rätselhafter, und verlangsamen sich in der Bewegung. Die Aggression weicht der Gestaltung. Rainer formt nun seine Bilder mit den Fingern. Er beginnt die von ihm akribisch entwickelte Bildsprache sehr gezielt einzusetzen und vermischt sie mit den traditionellen Techniken, um die Impulsivität und Körperlichkeit seiner Arbeiten zu steigern.
Der Künstler selbst als Malinstrument. Direkter kann die Umsetzung nicht erfolgen. Die Fingermalerei ist also eine logische Weiterentwicklung seiner Körpersprache.
Nachdem ich viele Kartons auf dem Boden aufgelegt hatte und von einem zum anderen kroch, um die Farbmaterie als Schmiere, Markierung, Spur zu hinterlassen, fand ich zu einer sehr physischen Malweise.......meine Hände waren dabei immer schmutzig, wund und offen, meine Knie aufgeschürft. (Arnulf Rainer 1982 Gejammer)

Von Oskar Kokoschka bis Arnulf Rainer.
Über Alfred Kubin, Joseph Beuys, Dieter Roth und Günter Brus zu Michael Horsky.
Von der Moderne zur Zeitgenossenschaft.

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