23.–26.04.2020

#artcologne2020

ART COLOGNE zeigt 14 NEW POSITIONS

Förderprogramm gibt es seit fast 40 Jahren

Die ART COLOGNE präsentiert auch in diesem Jahr das Förderprogramm „NEW POSITIONS“. 14 junge, von einer Jury ausgewählte, Künstler erhalten neben den Ständen ihrer Galerien die Möglichkeit, sich auf einer 25 qm großen Sonderfläche zu präsentieren. Auch 2019 nutzen die Künstler die gesamte Bandbreite des künstlerischen Ausdrucks. So werden klassische Medien wie Malerei, Skulptur und Fotografie zunehmend genutzt, um in installativen Arrangements Sehgewohnheiten herauszufordern und zu hinterfragen. Darüber hinaus greifen Künstler aktuelle Problemstellungen auf und beziehen Anregungen aus dem urban-gesellschaftlichen Kontext, in dem sie sich bewegen.

Die NEW POSITIONS 2019 auf einen Blick:
•    Yann Annicchiarico (Nosbaum Reding, Luxemburg)
•    Nadja Bournonville (Jochen Hempel, Berlin/Leipzig))
•    Joëlle Dubois (Thomas Rehbein, Köln)
•    Tobias Hoffknecht (Galerie Crone, Wien)
•    Paul Hutchinson (Sabine Knust, München)
•    Thilo Jenssen (Christine König Galerie, Wien)
•    Felix Kiessling (Levy Galerie, Hamburg)
•    Lone Haugaard Madsen (Nagel Draxler, Berlin/Köln)
•    Linda Matalon (Kadel Willborn, Düsseldorf)
•    Márton Nemes (Erika Deák, Budapest)
•    Laura Schawelka (Filiale, Frankfurt)
•    Ulrike Theusner (Eigen + Art, Berlin/Leipzig)
•    Fiona Valentine Thomann (Priska Pasquer, Köln)
•    Eleanor Wright (Petra Rinck, Düsseldorf)

An der Schnittstelle zwischen Performance, Video und Installation sind die Arbeiten von Yann Annicchiarico (Nosbaum Reding Gallery, Luxemburg) angesiedelt. Dabei geht er vornehmlich der Frage nach, wie Bilder und deren Kontexte unsere Vorstellung von Realität beeinflussen. Für die theatralische Installation „yanny or laurel“, die 2018 in der Saarländischen Galerie in Berlin zu sehen war, hat er eine Staffage-Architektur aus Bühnenelementen und Spiegeln aufgebaut, die er mit gefundenen Requisiten bestückt hat. Die ausgeklügelte Lichtregie trug zur Verunsicherung der Besucher bei, die in einem illusionistisch anmutenden Raum auf die Suche nach Wirklichkeit und Wahrheit geschickt wurden.

Assoziativ aufgeladen sind die Bildwelten der schwedischen Fotografin Nadja Bournonville (Galerie Jochen Hempel, Berlin/Leipzig), die sich vielfältiger künstlerischer Mittel bedient. In der Werkgruppe „A Conversion Act“ ist das Krankheitsbild der Hysterie samt der medizinischen Theorien darüber der Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Erforschungen in Fotografien, Zeichnungen und Drucken. Für „Intercepted“ gab die eigene Familiengeschichte den Anlass. Nadja Bournonville taucht dabei in das Leben einer Verwandten ein, die im ersten Weltkrieg als Spionin für die Deutschen tätig war und bereits nach kurzer Zeit enttarnt wurde. Sie vollzieht diese Episode nicht in herkömmlichen narrativen Bildern nach, sondern in schwer zu entschlüsselnden symbolischen Arrangements. Diese lassen eine diffuse, ungewisse Geschichte zwischen Fakt und Fiktion entstehen, deren Leerstellen jeder Betrachter auf seine Weise füllen muss.

Mit ironisch-voyeuristischem Blick nimmt die Malerin und Illustratorin Joelle Dubois (Thomas Rehbein Galerie, Köln) die zunehmende Zurschaustellung höchst privater Situationen in Social Media Plattformen aufs Korn. Mit drastischem Realismus führt sie in plakativen grellfarbenen Gemälden Männer und Frauen in kompromittierenden Posen vor. Dabei erweist sie sich als kritische Kommentatorin exhibitionistischer Auswüchse, die im digitalen Zeitalter scheinbar grenzenlos sind.
Tobias Hoffknecht (Galerie Crone, Wien) reagiert mit seinen Werken, die in der Tradition des Bauhauses und der Minimal Art stehen, stets auf den Ort, an dem sie jeweils platziert sind. Die minimalistischen Skulpturen aus poliertem Stahlblech oder Holz, die er als „Sets“ bezeichnet, fügen sich zu Installationen, die nicht nur den Raum beeinflussen. Sie interagieren auch auf performative Art mit dem Betrachter, der aufgefordert ist, das dialogische Potenzial der Arbeiten zu erkennen. Hoffknecht reduziert seine Skulpturen auf grundlegende Gestaltungsprinzipien und eine radikale Einfachheit.

Paul Hutchinson (Galerie Sabine Knust, München) richtet in seinem fotografischen Schaffen den Blick auf Phänomene des städtischen Lebens und auf die zeitgenössische Jugendkultur. Dabei schwanken seine Aufnahmen zwischen dokumentarischer Darstellung und poetisch-künstlerischer Ästhetik. Hutchinson fängt intime Momente ein, ohne dass die Bilder voyeuristisch erscheinen; seine Modelle, die er überwiegend in der Rücken- oder Seitenansicht ins Bild setzt, wirken gleichermaßen verletzlich und selbstsicher. Die wie zufällig erscheinenden Sujets sind in Wahrheit allerdings sorgfältig komponiert und referieren gesellschaftliche Themen wie Klassenstrukturen und soziale Mobilität. Auch urbanen Situationen gilt das Interesse des Fotografen, der Hochhausfassaden, besprühten Betonwänden, aufgerissenen Straßen und Abfällen durch ungewöhnliche Perspektiven einen besonderen Reiz abgewinnt.

Thilo Jenssen (Christine König Galerie, Wien) arbeitet mit unterschiedlichen Medien und Techniken. Ein Spezifikum ist die Präsentation malerischer Werke in freistehenden Displays und Halterungen, die der Künstler selbst baut und als malerische Erweiterung versteht. Auf diese Weise wirken die Bilder gelegentlich wie Figuren oder karikaturhafte Wesen. Im Entstehungsprozess werden die Leinwände vielfältig mit industriellen Materialien wie etwa thermoaktiver Farbe und Lacken  bearbeitet, sodass in der Oberfläche Risse und Brüche entstehen. Thematische Anregungen bezieht Jenssen aus der Popkultur, aus seiner aktuellen Umgebung und alltäglichen Erfahrungen, die er durch Kontextverschiebungen mit neuer Bedeutung auflädt.

Felix Kiessling (Levy, Berlin), ehemaliger Meisterschüler von Olafur Eliasson am Institut für Raumexperimente, spielt mit Erfahrungen, befragt Wahrnehmungen und gibt Denkanstöße. Er erforscht in aufwendigen, langwierigen Untersuchungen Phänomene aus Natur und Umwelt und transformiert sie in den Kunstkontext. Für eine seiner Installationen hat er im Galerieraum Steine zu einer Installation verspannt, die er der Elbe entnommen hat. Die Idee dahinter ist, dass sich dieser Eingriff minimal, aber messbar, auf den Welt-Wasserspiegel auswirkt. Mittels seiner Werkzeuge und Objekte im Ausstellungsraum gibt er Auskunft über seine Forschungsreisen und Recherchen und lässt Betrachter daran teilhaben.
Die Konzeptkünstlerin Lone Haugaard Madsen (Galerie Nagel-Draxler, Berlin/Köln) widmet sich unter Verwendung verschiedener Textformate, Zeichnungen, Objekte und angesammelter Gegenstände den Rahmenbedingungen der Kunstproduktion und des Ausstellens. Sie befragt und reflektiert die Parameter des Kunstbetriebs und die Position, die sie selbst darin einnimmt. Ihre institutionskritischen Werke haben immer einen Bezug zum jeweiligen Ausstellungsort. Die dort platzierten vermeintlich autonomen Objekte wie Atelierwandabgüsse, Zeichenunterlagen oder Gebilde, die aus Restmaterialien aus ihrem Studio gefertigt wurden, sind Verweise auf Arbeits- und Entscheidungsprozesse, die sie in ihrer künstlerischen Praxis beschäftigen.

Die US-Amerikanerin Linda Matalon (Kadel Willborn, Düsseldorf) thematisiert in abstrakten Zeichnungen und Objekten grundlegende zwischenmenschliche Handlungen und deren sozialen Kontext. Die großformatigen Papierarbeiten, für die sie Wachs, Öl und Graphit verwendet, entstehen in einem komplexen Prozess von schichtweisem Auftrag und anschließendem Wegkratzen. Sie entfalten aufgrund ihrer Tiefenwirkung eine starke Präsenz im Raum. Mit ihren minimalistischen Skulpturen knüpft sie an den von Joseph Beuys etablierten Begriff der „Sozialen Plastik“ an.

Der Maler Marton Nemes (Erika Deák Gallery, Budapest) bedient sich bei der Herstellung seiner farbstarken abstrakten Gemälde unkonventioneller Materialien und Techniken. In den neuesten Arbeiten kommen neben der traditionellen Leinwand auch fluoreszierendes Acrylglas, Spiegel und lichtbeständige Folie zum Einsatz, mit denen der Künstler dreidimensionale Effekte erzielt. Ähnlich experimentierfreudig ist er beim Farbauftrag. Für die Präsentation seiner überwiegend großformatigen Gemälde, die Referenzen zur amerikanischen Pop-Art aufweisen, bedient sich Nemes fragiler Stahl- oder Holzgerüste, die in den Raum hineinragen.

Laura Schawelka (Filiale, Frankfurt) stellt in raumgreifenden Installationen einen vielschichtigen Dialog zwischen Fotografie, Video und Skulptur her. Dabei nimmt sie in ihren thematischen Ausstellungen aktuelle Problemstellungen in den Blick. In der Ausstellung „Double Issue“ widmet sie sich dem durch die Digitalisierung veränderten Kaufverhalten und konfrontiert neue Fotografien mit historischem Bildmaterial. Das Ergebnis ist eine in Bildern, Fotografien und Videos inszenierte Reise vom Paris des 19. Jahrhunderts in die Zeit des Online-Handels. Ihre assoziativen Kombinationen irritieren und legen Fährten aus, dabei spielt sie häufig mit der Materialität der Objekte, die sie einsetzt, und erfindet beziehungsreiche Sinnbilder. Dabei werden Schawelkas bewegte oder feststehende Bilder gelegentlich zu monumentalen Hintergründen für Requisiten, wenn sie Verkaufswelten ohne Waren aufbaut, in denen Fotografien an die Stelle realer Gegenstände treten.

Ulrike Theusner (Galerie Eigen + Art, Berlin/Leipzig) stellt in Grafiken, Zeichnungen und Malereien eine großstädtische Gesellschaft dar, die sich zwischen Erstarrung und Aufbruch befindet. Sie befasst sich in ihren oft grellfarbigen, karikierend-verzerrten Serien von Tuschezeichnungen mit der Beziehungslosigkeit der Menschen untereinander und dem Verlust von Werten. Dabei schöpft sie einerseits aus kunsthistorischen, literarischen und fotografischen Quellen, andererseits aus eigenen Beobachtungen und Empfindungen.

Fiona Valentine Thomann (Galerie Priska Pasquer, Köln) macht sich neue Medien und digitale Technik zunutze und arbeitet insbesondere mit Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR). Ihre Arbeit mit dem Titel „Tracker“ besteht aus einem 3-D-Modell, ähnlich einer physischen Skulptur, die die Künstlerin im digitalen Raum frei gezeichnet hat. Die „Tracker“ sind Collagen auf Spiegeln. Um ihre Augmented Reality-Version zu aktivieren, scannt der Betrachter die Collagen mit seinem Smartphone. Diese erscheinen zunächst abstrakt, bei näherer Betrachtung aber entdeckt man eine Vielzahl von Referenzen zur heutigen digitalen Kultur. Außerdem ist es möglich, auf dem Handy-Display die Größe des 3-D-Modells im Raum zu verändern, es an einen anderen Ort zu verschieben und sich in die Details zu vertiefen.

Eleanor Wright (Petra Rinck Galerie, Düsseldorf) nimmt in der Fotoserie „A Gradual Stiffening“ und in dem Künstlerbuch „An Athens City Reader“ ein leerstehendes Einkaufszentrum in Athen in den Fokus, das in Anlehnung an die architektonischen Stilmittel von Frank Lloyd Wright entstanden ist. Es wurde ebenso wie ein Appartement-Haus nie seinem eigentlichen Zweck übergeben. Einziger Bewohner ist der Architekt, der das von ihm geplante Einkaufszentrum für die Öffentlichkeit zugänglich hält. Auch in ihren Installationen und skulpturalen Werken bezieht sich die Künstlerin häufig auf architektonische Elemente und deren Funktion im urban-gesellschaftlichen oder historischen Kontext.

Das Förderprogramm “New Positions” gibt jungen Künstlern seit 1980 die Möglichkeit, ihre Werke auf einer 25 Quadratmeter großen Sonderfläche neben den Ständen ihrer Galerien zu präsentieren. Finanzielle Unterstützung leisten die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien, das Land NRW, der Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler sowie die Koelnmesse.

Für die bevorstehende Art Cologne (11.-14. April) hat eine Fachjury 14 junge künstlerische Positionen ausgewählt. Die Jury 2019 bestand aus Susanne Titz, Direktorin des Museum Abteiberg, Mönchengladbach, Stefan Kobel, Kunstmarkt-Kritiker und -Journalist, Berlin, Bogomir Ecker, Künstler, Düsseldorf, Andreas Schleicher-Lange, Sprüth Magers, Berlin und Thomas Weber, Galerie Boisserée.

Anmerkung für die Redaktion:
Fotomaterial der ART COLOGNE finden Sie in unserer Bilddatenbank im Internet unter
www.artcologne.de im Bereich „Presse“.
Presseinformationen finden Sie unter www.artcologne.de/Presseinformation
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