16.–20.11.2022 #artcologne2022

DE Icon Pfeil Icon Pfeil
DE Element 13300 Element 12300 EN
QUEER BUDAPEST

WIDERSTAND GEGEN DIE VERBANNUNG IN DIE UNSICHTBARKEIT: QUEERE KUNST IN UNGARN

Roma LGBTQ Community - Owing the game

Roma LGBTQ Community - Owing the game

STATEMENT

Queer Budapest freut sich sehr, während der ART COLOGNE 2021 eine Ausstellung mit Werken sowohl junger und aufstrebender als auch bereits etablierter Vertreter der queeren ungarischen Kunst- und Kreativszene und Diaspora zu präsentieren.

-

Während sich die Welt langsam von der COVID-19-Pandemie zu erholen scheint, ist die queere ungarische Community einem zunehmend unsicheren Umfeld ausgesetzt. Die ungarische Regierung hat im Laufe des letzten Jahres neue Wege gefunden, um die Rechte der ohnehin schon stigmatisierten und ausgegrenzten queeren Menschen weiter einzuschränken: Das Verbot der gesetzlichen Geschlechtsanerkennung, die Unmöglichkeit der Gleichstellung der Ehe oder zuletzt die weitreichenden Gesetze, die Homosexualität mit Pädophilie gleichsetzen und Aufklärung zu und Darstellung von LGBTQ+ in den Medien verbieten.

Trotz dieses schwierigen Umfelds weigern sich queere Künstlerinnen und Künstler, diesen Bestrebungen tatenlos zuzusehen und zu einer Politik zu schweigen, die sie aus der gesellschaftlichen Wirklichkeit zu entfernen versucht. Sie produzieren weiterhin Arbeiten mit der Kraft zu informieren und aufzuklären. Es sind Arbeiten, die uns dazu inspirieren, unser Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und die den Wunsch nach einer Welt am Leben erhalten, die frei ist von institutionalisiertem Hass.

Aus Sicht von „Resisting Erasure: Queer Art in Hungary“ ist die Kunst eine zentrale Methode sowohl zur Erforschung als auch des Zelebrierens von Identität. Mit Arbeiten, die von Performance über Malerei bis hin zu Fotografie reichen und Themen wie Identität, Gemeinschaft und Feminismus untersuchen, vermittelt die Ausstellung einen facettenreichen Blick auf das zeitgenössische queere Leben in Ungarn.

Die von Zsuzsanna Zsuró und Thomas Roughan kuratierte Ausstellung umfasst Werke von: Ádám Csábi, Anna Ádám, Barnabás Lakatos-Gelléri, Borsos Lőrinc, Hollow Systems sowie Arbeiten von Vertretern der queeren Roma-Community Ungarns.

Queer Budapest bedankt sich bei Daniel Hug, dem Team der ART COLOGNE und allen Unterstützern und Sponsoren, die diese Ausstellung ermöglicht haben.

‘Fears and Hopes’ by Barnabás Lakatos Gelléri

‘Fears and Hopes’ by Barnabás Lakatos Gelléri

HISTORY

Queer Budapest ist eine Plattform zur Unterstützung der Arbeit von Angehörigen der queeren ungarischen Kunst- und Kreativ-Community und -Diaspora.

- - -

Queer Budapest wurde 2020 von der Kunstwissenschaftlerin Zsuzsanna Zsuro (geb. in Budapest) und dem Künstler Thomas Roughan (geb. in London) gegründet, nachdem sie sich am Londoner Central Saint Martins College of Art and Design kennengelernt und festgestellt hatten, dass sie beide unzufrieden mit dem Mangel an Aufmerksamkeit für die ungarische queere Kunst- und Kulturszene waren.
Die erste von Queer Budapest organisierte Ausstellung fand im November 2020 auf der Donau-Insel Népsziget im Norden Budapests statt und stieß auf eine überwältigend positive Resonanz, die zeigte, dass es ein großes Interesse an und einen echten Bedarf für die Präsentation von queerer ungarischer Kunst gibt.

Anknüpfend an diese erste Ausstellung wurde Anfang 2021 eine Radio- und Podcast-Reihe mit dem Titel Queer Budapest Talks ins Leben gerufen, in der die Macher ausführliche Gespräche mit einer Vielzahl queerer Kreativer führten. Während ihrer Laufzeit entwickelte sich die Serie zum Podcast mit der zweitbesten Bewertung in der Kategorie Bildende Kunst in Ungarn. In dieser Zeit begannen auch die internationalen Kunstmedien, sich für Queer Budapest zu interessieren. So berichteten sowohl The Calvert Journal als auch Artnet News über die Plattform.

Aktuell und somit vor dem Hintergrund der zunehmenden Spannungen zwischen der queeren Community und der ungarischen Regierung befindet sich Queer Budapest in den Vorbereitungen zu einer Sonderausstellung im Rahmen der ART COLOGNE 2021.

Mit „Resisting Erasure: Queer Art in Hungary“ möchte Queer Budapest dem Talent ungarischer queerer Künstler und Künstlerinnen eine größere Bühne geben und gleichzeitig einen Beitrag dazu leisten, die internationale Aufmerksamkeit auf ihre schwierige Situation zu lenken.

Ausgestellte Künstler

Anna ÁDÁM – Performance

Die „School of Disobedience“ ist eine experimentelle, unorthodox-radikale Performance-Kunstschule und ein Fight Club – der allerdings ausschließlich Frauen offensteht. Auf der Grundlage von kritischer Pädagogik, Methoden des Empowerment und Guerilla-Taktiken hilft die Schule den Teilnehmerinnen, durch das regelmäßige Praktizieren des Erschaffens, Kämpfens, Protestierens, des Leistens von Widerstand und der Auflehnung ein politisches Bewusstsein zu erlangen.

Die prominente Platzierung eines Boxrings auf der Messe schafft dabei maximale Sichtbarkeit. Das Publikum ist dazu eingeladen, an den täglich angebotenen „Fight Club“-Kursen teilzunehmen oder auf eigene Faust mit der interaktiven Installation zu experimentieren. Jeden Nachmittag wird es eine Performance im Ring geben, mit der die weibliche Kampfkraft zelebriert wird.

Ádám CSÁBI – Fotografie

Die Fotografie von Ádám Csábi fängt sekundenbruchteil-schnelle Impressionen von Partys als queeren geschützten Räumen ein – einzigartige, intime Einblicke in die gleichermaßen zerbrechliche, wilde und wertschätzende Szene der miteinander verflochtenen Techno- und LGBTQ-Communities.

Barnabás GELLÉRI – Malerei

Barnabás Gelléri beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen persönlichen Gefühlen und deren Darstellung. Er übersetzt die Herausforderungen und Schwierigkeiten ebenso wie die Freuden des Alltagslebens in nur scheinbar leicht verdauliche Kompositionen. Bei näherem Hinsehen jedoch zeigt sich die unglaubliche Komplexität seiner Gemälde. Gelléri trennt dabei nicht zwischen künstlerischer und persönlicher Identität, seine Welt wird von seinen Kreaturen beherrscht – vor allem von der Schlange und dem Ochsen.

Gelléri studiert derzeit an der Ungarischen Akademie der Bildenden Künste in Budapest. Zuvor hat er ein Studium an der Moholy-Nagy-Universität für Kunsthandwerk und Gestaltung (MOME) absolviert.

Seine Arbeiten wurden bereits in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen gezeigt, so in „Coming of Age“ von Pince Project im Jahr 2018 oder in „Queer Budapest“ der Skurc Group im Jahr 2020.

Borsos Lőrinc (Janó BORSOS und Lilla LŐRINC) – Installation

Lilla Lőrinc und János Borsos arbeiten seit 2008 unter dem Namen Lőrinc Borsos zusammen. Hinter dem Namen verbirgt sich ein eigenes Wesen mit einem eigenen kreativen Bewusstsein. Sein/ihr aktuelles Alter beträgt 12 Jahre. Sein/ihr Geschlecht, seine/ihre sexuelle Orientierung und sein/ihr Intellekt sind durchgängig von Bipolarität geprägt. Die Grundlage seiner/ihrer Existenz ist die Koexistenz von Gegensätzen, wenn auch sein/ihr eigentliches Ziel die Auflösung der Dualität ist. Er/sie verachtet Hierarchien und die durch sie verursachte soziale Spaltung und Ausgrenzung. Für Lilla Lőrinc und János Borsos wird Kunst erst jenseits von Moral interessant – wenn sie noch ungefiltert existiert, gleich nach dem Moment der Geburt einer Idee. Denn an diesem Punkt gibt es noch keine politische Korrektheit oder Selbstzensur.

Hollow Systems – Performance/KI

Für uns ist Queerness gleichbedeutend mit Subversion: Wir betrachten sie in erster Linie als Werkzeug.

Unsere erste gemeinsame Arbeit war Phoenix (2018). Unser Ziel war es, die schwule Clubkultur durch zwei klassische Figuren der Mythologie darzustellen: Den Phönix, der sich aus der Asche erhebt; und den einsamen Minotaurus in seinem Labyrinth, der auf sein nächstes Opfer (oder seinen Erlöser) wartet. Wir möchten den Betrachter involvieren – wir mögen es daher, wenn Arbeiten keine eindeutige Bedeutung haben, denn dann kann er mehr sein als nur ein außenstehender Beobachter. Dennoch ist es nicht unser Ziel, andere Menschen darüber zu belehren, wie man aufgeschlossener wird. Unsere Arbeiten sollen vielmehr zeigen, dass die Realität nicht so festgefügt ist, wie sie oft scheint – und dass die Rollen, die wir einnehmen, auch ganz anders aussehen könnten.

Queere Roma-Community – Fotografie

Kunstprojekt „Owning the Game“

„Owning the Game“ ist eine Fotoausstellung, zu der sich Angehörige der queeren ungarischen Roma-Community zusammengetan haben, um eine ihnen gemäße und sie repräsentierende Ausdrucksform zu schaffen. Die Ausstellung wurde im Juli 2021 im Rahmen des Budapest Pride eröffnet.