16.–20.11.2022 #artcologne2022

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Noemi Smolik erhielt den ADKV-ART COLOGNE-Preis für Kunstkritik 2020

Auszeichnung für das Lebenswerk einer Grenzgängerin und unabhängigen Kritikerin

Die in Bonn und Prag lebende Kritikerin Noemi Smolik wurde mit dem Preis für Kunstkritik 2020 ausgezeichnet. Der mit 3.000 Euro dotierte Preis wurde von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV) in Kooperation mit der ART COLOGNE verliehen und richtet sich an freie Journalistinnen und Journalisten.

Noemi Smolik arbeitet seit sehr vielen Jahren an der Aufarbeitung der osteuropäischen und russischen Kunstgeschichte. Sie scheut dabei weder die Auseinandersetzung mit akademischen Zirkeln noch die Ansprache eines breiten Publikums, so dass sie eine beeindruckende Bandbreite an Formaten der Kunstkritik - das kurzweilige Feuilleton, den Essai als Long-Read oder den Vortrag - perfekt beherrscht und bedienen kann. Immer wieder gelingt es ihr, tradierte Narrative nachhaltig zu durchbrechen und umzuschreiben.

Besonders aber zeichnet sie auch aus, immer wieder mit großer Aufmerksamkeit und Genauigkeit verschüttete Befunde aus der Geschichte der nichtstaatlichen und dissidenten Kunst in den sozialistischen Gesellschaften herauszuarbeiten und sich den Glättungen und Einebnungen historischer Konflikte zu widersetzen. Erst 2019 (und mitten in der sommerlich euphorisierten Hochphase des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums) klärte Noemi Smolik die Leserschaft einer überregionalen Tageszeitung beispielsweise darüber auf, dass Kasimir Malewitsch nicht nur in Russland, sondern auch von seinen vermeintlichen „Gesinnungsgenossen" in Dessau zensiert worden war. Mit forensischem Spürsinn werden dabei stereotype Bilder der russischen Avantgarde auf den Kopf gestellt und die westliche Perspektive auf die Oktoberrevolution dekonstruiert.

Mit Noemi Smolik zeichnet die Jury daher eine Kritikerin aus, die es versteht, Inhalte jenseits kulturpolitischer Trends unabhängig und unbeirrt zu verfolgen und durchzusetzen. In Zeiten, in denen der Nationalpopulismus in vielen europäischen Ländern erstarkt, möchte die Jury auch das Lebenswerk einer Grenzgängerin würdigen, die sich unermüdlich für die Kulturvermittlung einsetzt.