November 2023 #artcologne2023

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Neun Fragen zum Countdown der ART COLOGNE

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Neun Fragen zum Countdown der ART COLOGNE an Daniel Hug, Director der ART COLOGNE

Daniel Hug, Copyright und Foto: Gene Glover, Berlin

Daniel Hug, Copyright und Foto: Gene Glover, Berlin

1. Lieber Daniel Hug, wie ist die ART COLOGNE durch die Pandemie gekommen?

Daniel Hug: "Die ART COLOGNE ist einigermaßen gut durch die Pandemie gekommen. Sie ist ja eine Veranstaltung der Koelnmesse, die wiederum der Stadt Köln und dem Land NRW gehört. Das Unternehmen konnte z. B. Kurzarbeit beantragen und so die Belegschaft halten. Als wichtiges Unternehmen für Köln und die Region erhielten wir auch Unterstützung seitens der Stadt. Dies war allerdings auch der Grund, warum wir nur bedingt auf die Gelder aus der Initiative NEUSTART KULTUR zurückgreifen konnten. Die komplette Summe der Fördergelder, die an die Koelnmesse durch NEUSTART KULTUR gezahlt wurde, haben wir an unsere Aussteller weitergegeben. Dies bedeutete eine deutliche Kostenreduzierung für die Aussteller, eine enorme Hilfe."

2. Wegen Corona sind 2021 einige internationale Galerien nicht nach Köln gereist. Können Sie die nun alle wieder begrüßen?

Daniel Hug: "Die Situation stellt sich nach der Verschiebung der ART COLOGNE als Folge der Pandemie komplett anders da. Die Messe findet nun im Herbst statt im Frühling statt, einige Galerien, die im letzten Jahr nicht dabei waren, sind auch in diesem Jahr keine Aussteller, andere und neue Galerien finden Sie nun auf unserer Ausstellerliste. Es wird noch ein, zwei Jahre brauchen, bis sich die Dinge wieder gesetzt und sortiert haben. Es gibt ja viel Bewegung bei den Kunstmessen. Die Armory Show ist nun auch eine Herbstmesse, es gibt neue Veranstaltungen in Seoul und Paris, ganz zu schweigen von Messen, die nicht wieder stattfinden konnten."

3. Es gibt auch zahlreiche spannende Neuzugänge…

Daniel Hug: "Ja, das stimmt, wir freuen uns sehr, dass Kamel Mennour und die Galerie Lelong aus Paris zurück sind, Max Hetzler und Mehdi Chouakri aus Berlin, Rodolphe Janssen und Albert Baronian aus Brüssel. Auch sehr interessante mittelgroße und durchaus wichtige Galerien wie Sofie van de Velde aus Antwerpen, The Hole und Bitforms aus New York, Carl Kostyal aus London/Stockholm sind dabei."

4. Die ART COLOGNE ist vom Frühjahr in den Herbst gewechselt. Was spricht für die Veränderung?

Daniel Hug: "Um ehrlich zu sein, gibt es viele Pros und Contras für den Herbst. Es ist ja der traditionelle Veranstaltungstermin der ART COLOGNE. Die Messe wechselte erst 2006 ins Frühjahr. Für den Herbst spricht, dass wir keine Überschneidungen mit der Art Brussels haben, sie hat einige belgische Galerien und Sammler davon abgehalten, nach Köln zu kommen. Nicht so schön ist das traurige Wetter im November und die Tatsache, dass einige der Blue-Chip-Galerien in Konflikt mit der West Bund Kunstmesse in Shanghai geraten. Die Mega-Galerien sind weniger flexibel als Galerien mit nur einer oder zwei Niederlassungen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass viele, wenn nicht alle, in den nächsten Jahren zurückkehren werden. Sehr wichtig sind und bleibt für uns die mittlere Ebene der Galerien. Für sie macht es Sinn, die Bindung zu europäischen Kunstregionen zu stärken und weniger auf eine globale Strategie zu setzen."

5. Ursprünglich fand zu dieser Zeit die COLOGNE FINE ART & DESIGN statt. Geht diese Messe nun in der AT COLOGNE auf?

Daniel Hug: "Nein, die COLOGNE FINE ART & DESIGN war eine eigenständige Kunstmesse, die nun nicht mehr stattfindet. Wir haben aber einen neuen Sektor in die ART COLOGNE aufgenommen, ART + OBJECT. Dieser neue Sektor konzentriert sich auf Angewandtes Design und Kunst, die sowohl einen Bezug zur Modernen und Zeitgenössischen Kunst haben, als auch zu historischen Arbeiten, die aus der Zeit vor 1900 stammen. Das aller hilft uns noch besser zu verstehen, wo die Wurzeln der Zeitgenössischen Kunst liegen. Im Gegensatz zur ART COLOGNE, deren Zusammensetzung durch den Beirat festgelegt wird, haben wir für die ART + OBJECT einen Kurator engagiert, Sebastian Jacobi, der Aussteller vorschlägt und uns organisatorisch unterstützt."

6. Welchen Schwerpunkt setzt Jacobi?

Daniel Hug: "Sebastian Jacobi, der ja selbst ein Sammler und Händler für Neo-klassizistische Möbel aus dem 18. Jahrhundert bis zu italienischem Design des 20. Jahrhunderts ist, bringt sein Wissen und seine Schwerpunkte in die ART + OBJECT ein, also ein sehr breiter Ansatz. Meine persönlichen Highlights sind die textilen Arbeiten, die Jochum Rodgers aus Berlin mitbringt, sowie die kinetischen Schmuckstücke von Georg Hornemann."

7. Es gibt noch mehr Innovationen in der Halle 11!

Daniel Hug: "Wir haben die Gelegenheit genutzt, die großen Mega-Galerien, die bisher quasi die Pole Positions in den Eingangsbereichen belegt hatten, in einem neuen Layout zu platzieren. Dieser Schritt demokratisiert die Messe sozusagen für alle Messeteilnehmer, indem etwa die jungen Galerien mehr in den Fokus gerückt werden. Zusätzlich arbeiten wir auf allen Ebenen mit einem Farbkonzept in den Hallengängen, wodurch die Besucherführung in einer kreisförmigen Bewegung erfolgt. Ein echter „Rundgang“ sozusagen, der es den Besucherinnen und Besuchern leicht macht, jede Galerie zu sehen.
Jede Hallenebene hat darüber hinaus vier Plätze, oder Plazas, um die sich die wichtigen Galerien gruppieren. Die Highlights finden sich also über die ganze Messe verteilt. Den Sektor NEUMARKT mit den jungen Galerien findet man an drei der Plätze, sie sind mit weißem Teppichboden gekennzeichnet und erhalten dadurch eine besondere Sichtbarkeit."

8. Auch die Newcomer unter den Galerien fallen künftig noch mehr auf.

Daniel Hug: "Das ist die Absicht. Köln war immer eine gute Verkaufsplattform für deutsche Galerien, sie hatten fast ein Heimspiel. Für internationale Galerien ist es viel schwieriger, sich zu profilieren, deshalb ist eine gute Platzierung mit guten Kollegen in der Nachbarschaft wichtig. Und unsere Hoffnung ist, dass das Hallenlayout hier helfen kann."

9. Dank „Neustart Kultur“ werden die Teilnehmer dieses Jahr bei den Standmieten entlastet. Werden sich manche von ihnen mit dem Ende des Förderprogramms 2023 die ART COLOGNE nicht mehr leisten können?

Daniel Hug: "Danke, dass Sie dies ansprechen. Wir wurden ja erst vor wenigen Wochen informiert, dass wir erneut eine Förderung durch NEUSTART KULTUR erhalten würden. Unsere Bewerbungsphase für die Teilnahme an der Messe beginnt allerdings bereits am Anfang des Jahres. Die Galerien, die sich bewarben, wussten da noch nichts von der Förderung der BKM. In diesem Jahr erhalten wir erneut eine Förderung durch die BKM, genau wie im vergangenen Jahr, die wir komplett an unsere Aussteller weitergeben. Abgesehen davon hat die ART COLOGNE eigene Initiativen wie den NEUMARKT und COLLABORATIONS, um junge Galerien zu unterstützen. Im Großen und Ganzen kann die ART COLOGNE die größte Anzahl von jungen Galerien und Künstlerinnen und Künstlern als jede andere Kunstmesse in Deutschland aufweisen."

Text: Christiane Meixner