16.–20.11.2022 #artcologne2022

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„Freunde der ART COLOGNE“ erwerben Kunstwerke für Kölner Museen

Corinth für das Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Zanele Muholi und Gabriel Kuri für das Museum Ludwig, Gerold Miller für das Museum für Angewandte Kunst

Auch in diesem Jahr konnte der Verein „Freunde der ART COLOGNE“ Arbeiten für das Wallraf-Richartz-Museum / Fondation Corboud, das Museum Ludwig und das Museum für Angewandte Kunst erwerben. Damit tragen die „Freunde der ART COLOGNE“ erneut dazu bei, dass die Museen ihren Bestand um wichtige Beiträge erweitern und der Öffentlichkeit zugänglich machen können.

Bereits seit 2003 engagiert sich die gemeinnützige Initiative „Freunde der ART COLOGNE‘ für Kölner Museen. Mit jährlichen Kunstankäufen auf der ART COLOGNE sichern die Vereinsmitglieder wichtige Werke für die Museen und tragen damit zur Stärkung der kulturellen Attraktivität Kölns und der gesamten Region bei.

Gemäß Vereinssatzung tagten die Mitglieder während der 54. ART COLOGNE am 20. November 2021 und vereinbarten folgende Ankäufe:

Ein bestechendes Aquarell von Lovis Corinth erwarben die „Freunde der ART COLOGNE“ für das Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud: „Heimkehrende Bacchanten“ von 1894, angefertigt in Aquarell und Deckweiß über Blei (€ 58.000, Galerie Thole Rotermund Kunsthandel). Dargestellt ist ein Bacchanal, das im linken Vordergrund ein tanzendes Bacchanten-Paar zeigt, in der Blattmitte einen offensichtlich schwer angetrunkenen Bacchanten, den eine ausgelassene junge Bacchantin stützt, und im rechten Hintergrund eine Schattengestalt mit Ziegenbock. Damit fügt sich das Blatt in die berühmte Motivreihe der Bacchanale, in denen Corinth die antiken Götter in eine Burleske beschreibt. Mit seiner Neuinterpretation des lang tradierten Motivs, das unter den alten Meistern etwa berühmte Formulierung bei Peter Paul Rubens gefunden hatte, zielte Corinth auf einen bewussten decorum-Verstoß. Die antike Götterwelt wird theatralisch überzogen, der Mythos zum „Mummenschanz“ (Barbara Martin). Sehr bewusst griff Corinth das Motiv in einer Zeit auf, in der sich die Kunst dem Vorwurf des Unzeitgemäßen stellen musste. So etwa schrieb der französische Schriftsteller Maxime Du Camp 1855: „Die Dampfkraft regiert, doch wir huldigen der Venus, die Elektrizität wird entdeckt und wir lobsingen Bacchus, dem Freund der rosigen Traube. Absurd!“ Corinth entgegnete solchem Vorwurf mit einer radikalen Aktualisierung des Sujets, mit frecher Komik und provozierender Erotik. Dabei trieb er sein ironisches Spiel so weit, dass er sich selbst in der Rolle des Bacchus porträtierte und als solcher fotografieren ließ. Im pulsierenden Miteinander aus energischem Linienduktus und lockeren Farbsetzungen beschreibt das Blatt die sinnliche Ausschweifung mit bestechender Leichtigkeit. Es zeugt von der Aufbruchsstimmung, in der sich Corinth zu dieser Zeit befand. Erst im Vorjahr hatte er mit einer Gruppe junger Mitglieder der Münchner Secession, darunter Max Slevogt, Wilhelm Trübner und Peter Behrens, die Freie Vereinigung der XIV gegründet, woraufhin sie aus der Secession ausgeschlossen wurden. Die Stiftung dieses Blattes als Dauerleihgabe der Freunde der ART COLOGNE ergänzt den Bestand des deutschen Impressionisten des Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, zur dem der bis hierhin fünf Gemälde, acht Zeichnungen sowie 54 Blatt gehören.

Für das Museum Ludwig erwarben die „Freunde der ART COLOGNE“ zwei fotografische Arbeiten der in Südafrika geborenen Zanele Muholi: Mandlakhe, Durban 2019, und Zine XX, Melbourne, Australia, 2020. (USD 26.400 und USD 21.120, Pearl Lam Galleries, Hong Kong). Die Arbeiten der Künstlerin zeichnen sich durch eine große Eigenständigkeit der Bildsprache aus und beziehen gleichzeitig dezidiert aktivistische Position zu drängenden gesellschaftlichen Fragestellungen: Künstlerische und politische Handlungsstrategien sind eng miteinander verknüpft. Muholi arbeitet seit zwei Jahrzehnten konsequent zu Fragen der visuellen Repräsentation der LGBTQ und der Politik in Südafrika seit dem Ende der Apartheid. Muholis selbsterklärte Mission ist es, „eine schwarze, queere und transsexuelle visuelle Geschichte Südafrikas zu schreiben, damit die Welt von unserem Widerstand und unserer Existenz auf dem Höhepunkt der Hassverbrechen in Südafrika und darüber hinaus erfährt.“ Porträtserien und mitunter aufwendig inszenierte Selbstportraits stehen im Zentrum der künstlerischen Arbeit. Die Serie Somnyama Ngonyama: Hail the Dark Lioness (2012-20218) betrachtet Muholi sowohl als ein Manifest des Widerstands als auch ein autobiografisches Statement. Oft verarbeitet Muholi eigene Erlebnisse, wobei das präsentierte Subjekt nie als Opfer, sondern als selbstbewusste Figur raumfordernd in Erscheinung tritt. In diesen Aufnahmen gelingt es Muholi, klischeehafte Vorstellungen des „Exotischen“ durch den Einsatz von ungewöhnlichen Accessoires und Frisuren auf die Spitze zu treiben, Stereotypen zu persiflieren. Unterschwelliger Humor und tiefer Ernst finden in der Kraft der formalen Kompositionen zueinander. Okkupierte Fremdzuschreibungen und inszenierte Selbstbehauptung erhalten in den Aufnahmen von Muholi auf diese Weise eine Wucht und Schönheit, die selten in der zeitgenössischen Fotografie zu finden ist.

Ebenfalls für das Museum Ludwig erwarben die „Freunde der ART COLOGNE“ ein Werk des 1970 in Mexico City geborenen Gabriel Kuri: „Untitled (margins and tangents 01), 2021 (€ 30.000, Esther Schipper). Das Werk von Gabriel Kuri umfasst sowohl Skulpturen als auch Installationen und Collagen, für die er häufig vorgefundene natürliche, industrielle und massenproduzierte Objekte verwendet. Viele Arbeiten weisen Spuren menschlicher Handlungen im Alltag auf wie auch die skulpturale Wandarbeit „Untitled (margins and tangents 01). Diese besteht aus einer geschlitzten Tafel aus blauem Filz in einer verschließbaren Wandvitrine, wie sie lange in öffentlichen Verwaltungsgebäuden oder Firmenlobbies zu finden war, um Besucherinnen und Besucher zu leiten. In den Schlitzen stecken jedoch keine Buchstaben sondern Zigarettenstummel und verschiedene Centmünzen. Münzen in lokaler Währung und Zigarettenkippen sind wiederkehrende Motive in Kuris Werk und verweisen auf sein Interesse an Fragestellungen zur menschlichen Verausgabung von Energie, Zeit und Kapital. Auf formal überzeugende und auf verschiedene künstlerische Strategien des 20. Jahrhunderts rekurrierende Weise fragt Kuri nach dem Nachleben von Material jenseits seines rationalen oder systematischen Nutzens. Kuri selbst äußerte sich zu seinen Motiven einst folgendermaßen: „Zigarettenstummel sind eine erkennbare und allgemein verabscheuungswürdige Form der Vermüllung. Die Münzen verweisen auf Geld und Reichtum, aber auch darauf, dass Kleingeld ein fast zu vernachlässigendes Fragment des Reichtums ist.“

Für das Museum für Angewandte (MAKK) konnten die „Freunde der ART COLOGNE“ ein Werk von Gerold Miller sichern: „set 594“ von 2021 (Galerie Wentrup, € 22.000,00). Die Arbeit des 1961 geborenen Miller ergänzt die hochkarätige Design-Abteilung des MAKK, die mit ihrem Konzept „Kunst + Design im Dialog“ europaweit Alleinstellung genießt. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf westeuropäischen und nordamerikanischen Erzeugnissen aus der freien und angewandten Kunst. Die Ausrichtung der Sammlung Bildender Kunst zielt auf Werke der konstruktiv-geometrischen und insbesondere der konkreten Stilrichtung. So sind in der Dauerausstellung Arbeiten von Josef Albers, Hans Arp, Theo van Doesburg, Almir Mavignier, Manfred Mohr, Piet Mondrian, François Morellet oder Zdeněk Sýkora gemeinsam mit Objekten international renommierter Designer*innen präsentiert. In diesem Kontext ist die zwischen Gemälde, Relief und Architektur oszillierende Lack-Arbeit „set 594“ von Gerold Miller eine absolute Bereicherung und gleichzeitig eine konsequente Überführung der Grundidee der Sammlung in die zeitgenössische Kunst.

Die „Freunde der ART COLOGNE“ bestätigte im Rahmen ihrer Sitzung auch den Vorstand mit Klaus Benden (Vorsitzender), Prof. Dr. Kurt Bartenbach, Daniel Hug und Markus P. Schumann.

Abbildungen der beschriebenen Werke in der Bilddatenbank.

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  • Christine Hackmann

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