November 2023 #artcologne2023

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„Freunde der ART COLOGNE“ erwerben erneut Kunstwerke für Kölner Museen

Werke von - Meret Oppenheim, Marion Baruch und Ayşe Erkmen für das Museum Ludwig Sonderpublikation mit den Abbildungen aller erworbenen Werke zum 20jährigen Jubiläum

Förderverein hat seit seiner Gründung im Jahr 2002 weit über 100 Kunstwerke für Kölner Museen erworben

Sonderpublikation mit den Abbildungen aller erworbenen Werke zum 20jährigen Jubiläum

Auch in diesem Jahr darf sich ein Kölner Museum über Neuzugänge freuen. Möglich wurde dies durch das Engagement der „Freunde der ART COLOGNE“, die auch zum 20. Jubiläum ihrer Gründung wieder Wünsche der Institutionen erfüllen konnten. 2002 gründete sich der gemeinnützige Förderverein durch Kunstinteressierte, nicht nur aus Köln. Ziel war und ist es, die Kunst- und Kulturinstitutionen in der Domstadt zu fördern und somit die kulturelle Attraktivität und Bedeutung der Region zu stärken. Der Förderverein sicherte auf diese Weise weit über 100, auf der ART COLOGNE angebotene Kunstwerke für Köln. Als Dauerleihgaben an Museen sind sie allen Kunstinteressierten zugänglich. Zum 20jährigen Jubiläum bildet eine Sonderpublikation alle durch den Förderverein erworbenen Werke ab: Eine beeindruckende Reise durch die Kunst, von klassischer Moderne und Nachkriegskunst bis zu zeitgenössischen Werken, allesamt qualitätvolle Arbeiten, die häufig Sammlungs- und Forschungslücken in den Kölner Museen schließen.

In diesem Jahr profitierte das Museum Ludwig vom Engagement der „Freunde der ART COLOGNE“. Die Werke von drei Künstlerinnen konnten für das Museum gesichert werden. 

Gemäß Vereinssatzung tagten die Mitglieder während der 55. ART COLOGNE am 19. November 2022 und vereinbarten folgende Ankäufe:

Garibaldina, das Aluminium-Relief von Meret Oppenheim, 1952/78, 1978 nach einem Gipsmodell 1952 angefertigt, geht nun als Dauerleihgabe an das Museum Ludwig (Levy Galerie, 30.000 Euro). 

Mit streng konturierten, konvexen Formen deutet das Aluminium Relief der Ausnahmekünstlerin Meret Oppenheim ein stark abstrahiertes Porträt an, das -folgt man dem Titel der Arbeit -das geneigte Gesicht einer weiblichen Person oder dessen metallische Verpuppung zeigen könnte. Im einzigartigen Werk Meret Oppenheims verbinden sich verschiedene künstlerische Einflüsse des 20. Jahrhunderts mit besonderem Fokus auf Dada und Surrealismus zu einer eigenständigen Vision. Über ihre ikonisch pelzübersetzte Teetasse hinaus schuf die Künstlerin ein erstaunlich diverses Werk, das neben Skulptur auch Malerei, Zeichnung, Fotografie, Schmuck oder Künstlerbücher beinhaltet, während sie zeitgleich Gedichte und Prosa verfasste. Mit ihren Arbeiten bewegte sie sich stets zwischen Realität und Traum, bewusst und unbewusst und stellte dabei die starre gesellschaftliche Definition von männlich und weiblich in Frage. In ihren ersten Schaffensjahren freundete sich mit einigen der bekanntesten männlichen Künstlern aus vor allemsurrealistischen Kreisen an. Jedoch löste sie sich schon bald von ihren Zeitgenossen, um sich unbeeinflusst und freiihrem individuellen Blick zu widmen und vor allem für das Weibliche in Kunst und Gesellschaft einzustehen. Während das Museum Ludwig einige bedeutende Werken ihrer männlichen Zeitgenossen verwahrt, ist Meret Oppenheim bisher nur als Modell auf Fotografien von Dietmar Schneider und Man Ray in der Sammlung vertreten. Das Museum Ludwig möchte dieser Reduktionentgegenwirken und der Künstlerin mit dem wichtigen Werk „Garibaldina“ einen eigenständigen Platz in der Sammlung geben und damit dem männlich dominierten Narrativ der Zeit eine provokant-selbstbewusste und unangepasste weibliche Stimme hinzufügen.

Zwei Werke von der 1929 geborenen Marion Baruch erwarben die „Freund der ART COLOGNE“ für das Museum Ludwig: Eine Arbeit mit Namen „Fiori“, 2019, in 7 Einzelteilen aus Satin (Sommer Contemporary Art, 24,000 Euro), sowie „Auilix“, 2016, Tissue noir (Sommer Contemporary Art, 23.000,00 €).

Marion Baruch hat in über sieben Jahrzenten ein vielseitiges und eigenwilliges Werk geschaffen, das einen formalistischen Ansatz verfolgt und sich zeitgleich mit konzeptuellen, autobiografischen, existenziellen und philosophischen Fragen beschäftigt. Mitte der 1960er-Jahre ging Marion Baruch von der Malerei zu dreidimensionalen Werken über, die sich Elemente aus der Mode, dem Grafik- und Produktdesign und dem Kommerz zu Eigen machen. In den letzten zwei Jahrzehnten verwendet Baruch Textilabfälle aus der Prêt-à-porter-Industrie wieder, aus denen die Künstlerin raumgreifende Skulpturen schafft, die sich spinnenwebartig ausdehnen und wie ausgeweidete Muster zu räumlichen und „lesbaren“ Zeichen werden. In ihren fragilen, flüchtigen Objekten nutzt die Künstlerin Abfall als potenzielles Objekt und Leere nicht etwa als spirituelles Nichts, sondern vielmehr als Form des Möglichen und Schöpferischen -“It’s the void, and there’s possibility in the void: it contains everything, it contains surprise, life and emotion, which is what I need”.Mit dem Werk „Fiori“ beispielsweise formt Baruch die Stoffstücke in blumenartige Gebilde, die sich zu einem sinnlich und verführerischen Bestäubungsakt zusammenfinden, während das frei hängende Werk „Auilix“, dessen Titel die Mond-Göttin aus der Maya Kultur bezeichnet, in seiner Vorhangform und zeitgleichen Bruchstückhaftigkeit Räume inszeniert, die auf das willentlich Ausgesparte und Lückenhafte verweisen. Die auf besondere Weise eigenständige und einzigartige Qualität Baruchs Werke besteht nicht zuletzt darin, dass sie trotz oder gerade aufgrund der vehementen Reduktion der Form, ihrer Fragilität und Flüchtigkeit, Räume zu ergreifen und bevölkern, sie performativ zu verändern und ihnen eine Vielzahl an Potenzialen einzuverleiben vermag. Eine außergewöhnliche Qualität, die in die bereits sehr reiche Sammlung abstrakter Kunst des Museum Ludwig hervorragend hineinpasst.

Drei Arbeiten der türkischen Künsterlin Ayşe Erkmen(*1949): Section X, 2010, Eisenplatte, Emaillefarbe, Section V, 2010, Eisenplatte, Emaillefarbe, Section III, 2010, Eisenplatte, Emaillefarbe (Dirimat, je 20.000 Euro)

Fast immer beziehen sich die Werke der türkischen Künstlerin Ayşe Erkmen auf vorhandene örtliche Gegebenheiten, in die sie strukturell, inhaltlich oder formal eingreift, um Themen wie Identität, Geschichte, Selbstbestimmung und politische Kontrolle zu verarbeiten. Mittels architektonischer, sprachlicher oder auch akustischer Interventionen konfrontiert Erkmen die Betrachterinnen und Betrachter mit den häufig verborgenen physischen, visuellen, sozialen, psychologischen und historischen Dimensionen spezifischer Orte. Bei den ausgewählten drei Arbeiten der Sections the wall-Skulpturen handelt es sich um unregelmäßige geometrische Formen, die aus Metallblechen geschnitten, mit Emaille besprüht und wie zerlegte Puzzleteile in einer Gruppe aufgehängt werden. Während ihre minimalistische Form und die rigide Materialität streng formalistisch anmuten, sind sie doch Ergebnis der klassisch konzeptuellen Praxis der Künstlerin. Die modifizierten Rechtecke, bei denen verschiedene Segmente entfernt wurden und sich undefinierbare Leerstellen gebildet haben, referieren auf den Grundriss unterschiedlicher öffentlicher Plätze. Die genauen Orte und deren gesellschaftliche, politische und historische Dimension verschleiert die Künstlerin hinter dem technischen Titel und der betont abstrakten Form der Skulpturen und hinterlässt stattdessen Negativformen und Leerstellen, die sich einer eindeutigen Zuschreibung entziehen. Mit PFM-1 and Others (2010) sowie Turuncu (2006) befinden sich bereits zwei sehr wichtige Werke der Künstlerin in der Sammlung des Museum Ludwig. Die drei Neuerwerbungen aus ihrer Section-Serie schließen sich sehr stringent an die schon vorhandenen Arbeiten an und bilden eine konsequente Ergänzung, die für die Positionierung der Künstlerin innerhalb der Sammlung und im Narrativ einflussreicher Gegenwartskünstlerinnen von besonderer Bedeutung wäre.

Fotos: https://koelnmesse.omn5.com/ShoppingCartDownloadPage?guid=53D2802D-9ECD-4DE4-9B07-4B02138975D1&language=de_DE


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